Hamburg: Urteil zu Heros-Skandal

Versicherung muss zahlen

Als Folge des Betrugsskandals um den Geldtransporteur Heros ist die Mannheimer Versicherung vom Landgericht Hamburg zur Zahlung von etwa einer Million Euro verurteilt worden.

Hamburg/Mannheim. Geklagt hatte ein früherer Kunde von Heros. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, sagte eine Gerichtssprecherin am Donnerstag in Hamburg. Die Mannheimer Versicherung AG kündigte Rechtsmittel an. Sie wird noch von weiteren ehemaligen Heros-Kunden auf die Zahlung von Entschädigung verklagt. Die Gerichtssprecherin sagte, dass andere Gerichte an die Auslegung der Hamburger Richter nicht gebunden seien.

Im Kern geht es bei den rechtlichen Auseinandersetzungen um die Reichweite der Versicherung, die Heros bei der Mannheimer abgeschlossen hatte. Die Mannheimer lehnt Ansprüche von Heros-Kunden mit der Begründung ab, nur der Transport von Bargeld sei versichert gewesen, nicht etwa das Risiko von späteren Veruntreuungen. Das sah die Kammer für Handelsachen des Hamburger Landgerichts nun anders: Sämtliche Risiken seien durch die Police abgedeckt - bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Geld auf dem Konto der Heros-Kunden ankam. "Das ergibt eine sinnvolle Auslegung des Versicherungsvertrages", zitierte die Gerichtssprecherin aus dem Urteil (Az: 409 O 53/06).

Der frühere Heros-Kunde, die zu Edeka gehörende Netto Marken-Discount GmbH & Co. oHG (Maxhütte-Haidhof/Bayern), hatte nach Angaben der Gerichtssprecherin zunächst zehn Millionen Euro eingeklagt. Diese weitergehenden Klageforderungen seien aber für erledigt erklärt worden.

"Das Urteil ist für uns nicht nachvollziehbar, aber es überrascht uns nicht", sagte der Sprecher der Mannheimer Versicherung, Jürgen Wörner. Der Vorsitzende Richter der Kammer für Handelssachen habe seine Ansicht zuvor bereits angedeutet. Der Versicherungssprecher zeigte sich überzeugt, dass andere Gerichte der Rechtsauffassung der Mannheimer Versicherung folgen würden. Voraussichtlich im November stünden Entscheidungen des Landgerichts Hannover in vergleichbaren Verfahren an. Dort befasse sich eine auf Versicherungsrecht spezialisierte Kammer mit dem Fall. Die Mannheimer gehört zur österreichischen UNIQA-Versicherungsgruppe.

Durch den Betrugsskandal beim ehemals größten deutschen Geldtransport-Unternehmen Heros sollen mehr als 1000 Firmen geschädigt worden sein. Im Mai waren der Firmengründer Karl-Heinz Weis sowie drei Manager vom Landgericht Hildesheim zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ihnen wurde ein Schaden von 240 Millionen Euro angelastet.