Prozess: Kindsmord in Osdorf

Nach Tötung ihres Säuglings Mutter nur vermindert schuldfähig

Die junge Mutter, die ihr neugeborenes Kind von einem Hochhausbalkon in Hamburg-Osdorf in den Tod geworfen hat, ist laut einem psychologischen Gutachten nur vermindert schuldfähig.

Hamburg. Die 27-Jährige habe den Säugling in einer "akuten Belastungsreaktion" getötet, sagte ein Sachverständiger heute vor dem Hamburger Landgericht. Die Frau hatte das Kind Mitte März allein zur Welt gebracht und gestanden, es kurz nach der Geburt aus 25 Metern Höhe vom Balkon geworfen zu haben. Dabei erlitt das kleine Mädchen tödliche Schädel- und Hirnverletzungen. Nach Angaben eines Rechtsmediziners war das Kind gesund und hat etwa nur eine halbe Stunde gelebt.

Die Anklage wirft der jungen Mutter Totschlag vor. Zudem muss sie sich wegen falscher Verdächtigung verantworten, weil sie bei der Polizei zunächst den Vater des Kindes der Tat bezichtigt hatte. Der Staatsanwalt will morgen sein Plädoyer halten. Der Schlussvortrag der Verteidigerin ist für Anfang kommender Woche geplant.

Der Sachverständige betonte, dass die Angeklagte weder eine psychiatrische Krankheit noch eine Persönlichkeitsstörung habe. Durch die körperliche Belastung der plötzlichen Geburt und den seelischen Druck, der auch wegen der Geheimhaltung ihrer Schwangerschaft auf ihr lastete, habe sie aber zur Tatzeit eine akute Bewusstseinsstörung gehabt. "Die Verstandestätigkeit müsste erheblich vermindert gewesen sein", sagte der Gutachter. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die junge Frau kein Motiv für die Kindstötung nennen konnte.

( lno )