Säugling vom Balkon geworfen - Prozess gegen Mutter fortgesetzt

Im Prozess um den Tod eines Säuglings, den wahrscheinlich seine Mutter von einem Hochhaus in Hamburg-Osdorf in den Tod geworfen hat, haben Zeugen am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht Widersprüche in den Aussagen der Angeklagten aufgezeigt.

Die 27-Jährige hatte zum Prozessauftakt gestanden, im März ihr neugeborenes Mädchen lebend in eine Plastiktüte gesteckt und von einem Balkon geworfen zu haben.

Eine Freundin der Frau sagte dagegen vor Gericht, die 27-Jährige habe ihr erzählt, das Kind sei zu früh auf die Welt gekommen und bei der Geburt bereits tot gewesen. Außerdem habe die Angeklagte sie gebeten, an ihrer Stelle eine Speichelprobe bei der Polizei abzugeben. Die Ermittler wollten mit einer DNA-Analyse die Mutter des Kindes ausfindig machen.

Einem Ehepaar, bei dem die Mutter als Babysitterin arbeitete, hatte die junge Frau wiederum eine andere Version der Ereignisse geschildert. Ihnen gegenüber habe sie ihren Freund bezichtigt, das Kind umgebracht zu haben, meinten die beiden Zeugen. "Sie hat gesagt, dass ihr Freund das Baby vom Balkon geworfen hat", sagte der 42- jährige Mann. Auch bei der Polizei hatte die 27-Jährige ihren vier Jahre jüngeren Freund und Vater des Kindes der Tat bezichtigt. Dann aber hatte sich die Frau zunehmend in Widersprüche verstrickt und war schließlich des Totschlags und der falschen Verdächtigung angeklagt worden.

Das Ehepaar beschrieb die junge Frau als zuverlässige und geschickte Babysitterin. Die 27-Jährige habe trotz ihrer wachsenden Körperfülle immer wieder bestritten, schwanger zu sein. Die junge Frau hatte das Kind allein in der Wohnung eines Verwandten des Freundes zur Welt gebracht. Nach eigenem Bekunden hatte sie es kurz nach der Geburt in einer Art Schockzustand aus 25 Metern Höhe vom Balkon geworfen. Das Kind erlitt dabei tödliche Schädel- und Hirnverletzungen.

Der Tod des kleinen Mädchens in einer Grünanlage vor dem Hochhaus sorgte bundesweit für Aufsehen. Ein Spaziergänger hatte die Leiche in einer Plastiktüte gefunden und die Polizei alarmiert. Das Baby wurde Anfang April in Hamburg beigesetzt.