Angeklagte gestehen Raubüberfall auf Dieter Bohlen

Da mussten selbst die Richter schmunzeln: Im Prozess um den Raubüberfall auf den Musikproduzenten Dieter Bohlen (53) kam einer der Angeklagten am Donnerstag ausgerechnet mit der Lederjacke ins Gericht, die er sich von der Tatbeute gekauft hatte.

Als Verhöhnung seines Opfers wollte der 18- jährige Arbeitslose das aber nicht verstanden wissen. Er entschuldigte sich für den Überfall vom 11. Dezember vergangenen Jahres und sagte vor der auswärtigen Jugendstrafkammer des Bochumer Landgerichts in Recklinghausen: "Ich bereue, was wir mit den Leuten gemacht haben." Auch sein mitangeklagter Freund (19) legte beim Prozessauftakt ein Geständnis ab. Sie hätten sich "den Mist ausgedacht", weil sie finanziell in der Klemme gesteckt hätten.

Die beiden Recklinghäuser waren vor knapp neun Monaten mit einer Schreckschusspistole und einem Küchenmesser an Bohlens Villa in Tötensen bei Hamburg aufgetaucht. Um nicht erkannt zu werden, trugen sie Sturmmasken. Zunächst überwältigten sie den Gärtner (66), anschließend die Haushälterin (43). Beide Opfer wurden in der Küche mit Kabelbindern gefesselt. Einer der Täter soll dabei sinngemäß gerufen haben: "Wenn ihr etwas macht, knallen wir euch ab." Anschließend wurden auch Dieter Bohlen und dessen Freundin Carina (23) überwältigt.

Aber auch nach den Geständnissen bleibt die Höhe der Beute unklar: Den Angeklagten zufolge befanden sich 30 000 Euro im Tresor der Bohlen-Villa, die sie inzwischen für Kino- und Restaurantbesuche, Handys und Sportgeräte ausgegeben hätten. Auch der von Bohlen beschäftigte Gärtner sagte am Donnerstag aus, Bohlen selbst habe während des Überfalls von 30 000 Euro gesprochen. Im Gegensatz dazu hatte der Pop-Musiker erklärt, ihm seien 60 000 Euro geraubt worden.

Auf Bohlen waren die beiden jungen Männer über eine Fernsehsendung gekommen, die sich mit Reichen befasste. Anschließend hätten sie die in der Sendung erwähnten Namen im Internet eingegeben und waren so auf das Anwesen samt Adresse in Tötensen gestoßen. Möglicherweise sollte der Überfall auf den Star von "Deutschland sucht den Superstar" kein Einzelfall bleiben. Die Ermittler fanden bei dem 18- Jährigen eine Liste mit weiteren möglichen Opfern und der Überschrift: "Milliardäre in Hamburg". Handschriftlich war neben den Namen bekannter Unternehmer vermerkt: "Es dürfte nicht schwer sein, an sie heranzukommen, da diese Milliardäre nicht besonders zurückgezogen leben. Beobachtung empfehlenswert."

Der 66-jährige Gärtner von Dieter Bohlen leidet noch immer unter der Tat. Er sei in psychiatrischer Behandlung, habe Schlafstörungen. "Auch Herr Bohlen hatte sehr viel Angst", sagte er im Zeugenstand. Die Haushälterin berichtete ebenfalls von den schweren psychischen Folgen des Überfalls: Sie habe sich zunächst gar nicht mehr alleine nach Hause getraut. Die Polizei habe zunächst sogar ihre Familie verdächtigt: "Das war sehr schlimm", sagte die 43-Jährige.

Dieter Bohlen muss am Montag in den Zeugenstand. Die Entschuldigung der reuigen Angeklagten schlug der "Pop-Titan" am Donnerstag via Zeitungsinterview aus: Er werde den Räubern nicht verzeihen. Ihnen gehe es nur "um eine milde Strafe". Er habe nach dem Überfall monatelang nicht schlafen können. "Die beiden Räuber haben mein altes Leben, unser Idyll, zerstört. Nichts ist wie früher. Das Leben in Tötensen macht so keinen Spaß mehr." Er spiele mit dem Gedanken wegzuziehen.

Nach dem Tipp eines anonymen Informanten waren die Angeklagten am 4. Juli 2007 in Recklinghausen festgenommen worden. Das Urteil wird möglicherweise bereits am kommenden Montag verkündet.