Auszeichnung: Hamburger Ensemble erneut geehrt

Thalia ist "Theater des Jahres"

Für die Mehrheit der von der Zeitschrift „Theater heute“ befragten Kritiker war klar: „Beim Thalia stimmt im Moment einfach alles.“ Judith Rosmair wurde zudem „Schauspielerin des Jahres“.

Berlin. Das Hamburger Thalia Theater ist von einer unabhängigen Kritikerjury zum "Theater des Jahres" gewählt worden. Eine Mehrheit der von der Zeitschrift "Theater heute" befragten Kritiker habe sich für das von Ulrich Khuon geleitete Haus entschieden, berichtet das Blatt in seinem Jahrbuch 2007 am Mittwoch. "Schauspielerin des Jahres" ist Judith Rosmair vom Thalia für ihre Rollen als Gudrun Ensslin in "Ulrike Maria Stuart" und Dorine im "Tartuffe". Schauspieler des Jahres ist Joachim Meyerhoff als "Hamlet" am Schauspielhaus Zürich und als Benedikt in "Viel Lärm um nichts" am Wiener Burgtheater. Beste Inszenierung ist Dimiter Gotscheffs "Die Perser" am Deutschen Theater (DT) in Berlin.

Von den 40 befragten Kritikern sprachen sich 18 für das Thalia Theater aus, das schon 2003 ausgezeichnet worden war. "Beim Thalia stimmt im Moment einfach alles: das Ensemble, der Spielplan, die Regisseure, die Stimmung. Und es hat mit Ulrich Khuon einen Intendanten, der sich nicht wichtiger nimmt als sein Theater", sagte Franz Wille von "Theater heute". An zweiter und dritter Stelle nannten die Kritiker zwei Berliner Häuser: Das Maxim Gorki und das Deutsche Theater (DT).

Nach Gotscheffs sperriger Inszenierung der "Perser" folgen in der Kritikergunst Michael Thalheimers "Orestie", das andere Antiken- Projekt am DT, Nicolas Stemanns "Ulrike Maria Stuart" (Thalia) sowie zwei Inszenierungen von Andreas Kriegenburg: "Drei Schwestern" (Münchner Kammerspiele) und die "Schmutzigen Hände" (Thalia). Für ihr RAF/Schiller-Stück wurde die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zum dritten Mal nach 1993 und 1998 zur "Dramatikerin des Jahres" gewählt.

"Bühnenbildnerin des Jahres" ist Katrin Brack für die "Konfettikanonade" in Gotscheffs "Tartuffe". Als beste Kostümbildnerin nannten die Kritiker Andrea Schraad für ihre "blendend weißen "Drei Schwestern"". Jette Steckel wurde für ihre "Nachtblind"-Inszenierung am Thalia zur besten Nachwuchsregisseurin gewählt, Julischka Eichel bekam die Auszeichnung als beste Nachwuchsdarstellerin. Für sein Stück "Alter Ford Escort Dunkelblau" wurde Dirk Laucke bester Nachwuchsdramatiker. Das "ausländische Stück des Jahres" ist Simon Stephens' "Motortown" vor Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels".

Die Auszeichnung des Hamburger Thalia Theaters als "Theater des Jahres" sieht Intendant Ulrich Khuon als Bestätigung "für eine in sich sehr geschlossene Arbeit". "Dieser Preis ist besonders wichtig, weil damit ein ganzes Haus geehrt wird", sagte Khuon. "Im Unterschied zu anderen Künsten lebt das Theater sehr von der Angewiesenheit. Jeder Künstler für sich braucht eine hohe Qualität und Energie, aber es ist gleichzeitig eine Art soziale Dimension implantiert", erklärte der Intendant. "Dieses Element der Angewiesenheit ist es, was das Besondere am Theater für mich ausmacht."