Hamburg: Baustart für umstrittene U4

U-Bahn in die Hafencity soll 2011 fahren

Mit dem ersten Spatenstich haben Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Hochbahnchef Günter Elste den Bau der Hafencity-U-Bahn gestartet. Die vier Kilometer lange Strecke der U4 soll insgesamt fast 300 Millionen Euro kosten und Ende 2011 den Betrieb aufnehmen.

"Die U-Bahn bietet beste Voraussetzungen für den Sprung über die Elbe nach Wilhelmsburg", sagte Beust. Startpunkt der neuen Linie ist der U- und S-Bahn-Knotenpunkt Jungfernstieg. Von dort soll die Strecke bis zu 40 Meter tief unter der Erde in einem Bogen durch die Innenstadt führen und in der Hafencity die Stationen Überseequartier und Lohsepark ansteuern.

Die U4 ist eines der teuersten und auch eines der umstrittensten Hamburger Verkehrsprojekte. Der Senat und die Hochbahn argumentieren, dass die unterirdische Streckenführung "städtebaulich, verkehrlich und wirtschaftlich" die einzig sinnvolle Variante sei. Die SPD-Opposition sprach dagegen von einem "millionenteuren, finanz- und stadtentwicklungspolitisch falschen Prestigeprojekt". Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Jan Quast kritisierte, dass sich der Senat zugunsten der Hafencity von einer besseren Anbindung anderer Stadtteile wie Steilshoop und Bramfeld verabschiede. "Der Senat schafft es, auch in der Verkehrspolitik, die Stadt auseinanderdriften zu lassen", sagte Quast. "Eine oberirdische Streckenführung mit Blick auf den Hafen wäre billiger gewesen. Sie hätte dem Projekt darüber hinaus eine größere Attraktivität gegeben."

Solche Einwände gegen die Trassenführung wies Elste zurück und sprach den Kritikern der jetzt begonnenen Tunnellösung die nötige Fachkompetenz ab. Eine oberirdische Streckenführung wie bei der U- Bahn zwischen Landungsbrücken und Rödingsmarkt wäre teurer, hätte schwere Eingriffe in die Bausubstanz der Stadt und Einschränkungen für den Schiffsverkehr zur Folge. Insgesamt seien 34 Varianten von Experten geprüft worden, davon sechs oberirdische. Elste sprach von der "besten Lösung für die Stadt". Er verwies angesichts von erwarteten 35 000 Fahrgästen täglich auf der Linie U4 auch auf den Umweltaspekt. "Das Projekt fügt sich schlüssig in das Klimaschutzkonzept der Stadt ein."

Der Zeitplan ist nach Angaben des Hochbahnchefs sehr ehrgeizig. Im September sollen die Arbeiten an verschiedenen Notausstiegs-Bauwerken beginnen, im Januar 2008 wird die Baustelle Jungfernstieg angelegt und im kommenden Sommer startet der Tunnelbau mit einer riesigen Schildvortriebsmaschine, die sich wie ein Maulwurf durch den Untergrund frisst. Die U-Bahn bekommt zwei voneinander unabhängige Röhren. Mit Behinderungen an Hamburgs Prachtboulevard Jungfernstieg muss bis ins Frühjahr 2011 gerechnet werden. Wenige Monate später soll dann der erste U-Bahn-Zug der neuesten Generation auf der Strecke fahren.