Heros-Skandal: Landgericht Hildesheim

Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haft für Prokuristinnen

Weil sie Millionensummen in die eigene Tasche gesteckt haben, sollen zwei ehemalige Prokuristinnen des früheren Finanzdienstleisters Heros für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Hildesheim. Weil sie Millionensummen in die eigene Tasche gesteckt haben, sollen zwei ehemalige Prokuristinnen des früheren Finanzdienstleisters Heros für mehrere Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft forderte am Dienstag im Landgericht Hildesheim wegen Untreue Haftstrafen von drei Jahren und neun Monaten für die 61 Jahre alte Angeklagte sowie vier Jahre und drei Monate für die 39 Jahre alte Komplizin.

Die beiden Frauen hatten gestanden, etwa zwei Millionen Euro aus dem Tresor einer Filiale in Heide (Schleswig-Holstein) genommen und geteilt zu haben. Die Jüngere gab zudem zu, das illegale Schneeballsystem der Firmenchefs gedeckt zu haben. Der Heros- Betrugsskandal war vor knapp eineinhalb Jahren aufgeflogen.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Vorwürfe komplett bestätigt. Die 39 Jahre alte Angeklagte hatte im Gericht erklärt, bei der Firma sei es nach der Euro-Umstellung "drunter und drüber gegangen". Plötzlich sei zu viel Geld im Tresor gewesen, das keinem Kunden zugeordnet werden konnte. Beide hätten das Geld heimlich eingesteckt.

In der Folgezeit gaben die Frauen das Geld für einen exklusiven Lebensstil aus. Während die 61-Jährige eine Eigentumswohnung, mehrere Autos und Wohnmobile anschaffte, finanzierte die Jüngere einen Hausbau mit dem Geld der Heros-Kunden. Nach der Festnahme gab die 39- Jährige fast 600 000 Euro Bargeld an die Justizbehörden zurück, während die 61-Jährige ihren gesamten Anteil verprasst haben will.

Die jüngere Angeklagte hatte zudem wenige Tage vor dem Auffliegen des Skandals im Februar 2006 etwa 55 Millionen Euro auf die Konten kleinerer Kunden überwiesen, denen das Geld gar nicht zustand. So sollten wenigstens die kleineren Kunden vor der Heros-Pleite noch einen Betrag erhalten. Bei dem Zusammenbruch des damaligen Branchenprimus Heros war ein Schaden in Höhe von etwa 240 Millionen Euro entstanden.

Weil sie ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte, forderte der Verteidiger eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für die 39-Jährige. "Es wurde ihr ja auch leicht gemacht. Das Geld lag herum, Heros war ein Selbstbedienungsladen", sagte er in seinem Plädoyer. Zudem habe seine Mandantin auf Anweisung gehandelt und sei unter Druck gesetzt worden.

Der Firmengründer Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager waren im Mai wegen Untreue zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und zehn Jahren verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie Finanzlöcher bei Heros gestopft und Millionensummen in die eigene Tasche gewirtschaftet. Insgesamt gibt es 469 Millionen Euro offene Forderungen aus dem Insolvenzverfahren. Das Urteil für die beiden Prokuristinnen wird am Freitag gesprochen.