Kaltenkirchen: Familiendrama

36-Jährige ersticht Eltern

Die psychisch kranke Frau tötete erst ihre Eltern und griff dann auch einen Bekannten, ihre Schwester und ihren Bruder an. Die Hintergründe der Familientragödie sind noch unklar.

Kaltenkirchen. Nur ein winziger Blutfleck vor der Tür des Einfamilienhauses und das Siegel der Kriminalpolizei Kiel an zwei Eingangstüren weist auf die schreckliche Gewalttat mit zwei Toten und drei Verletzten hin. Sonst herrscht spätsommerliche Kleinstadtidylle. Durch die Sackgasse am Rande des Städtchens Kaltenkirchen in Südholstein führen Nachbarn ihre Hunde spazieren. "Da geht einem ein Schauer über den Rücken", kommentiert Karin Schilling die Messerattacke einer offenbar psychisch kranken Frau auf ihre Eltern. "Man fühlt mit, das ist klar." Noch wissen die meisten Menschen nicht ganz genau, was vor wenigen Stunden am Sonntagabend hinter den weißen und roten Ziegelmauern des Flachdachbaus geschehen ist.

Das gepflegte Haus gehört den Betreibern eines Dentallabors, dessen Räume direkt angebaut sind. Nach den ersten Ermittlungen der Polizei wird klar: Die von der Polizei festgenommene 36 Jahre alte Frau hat gegen 20.30 Uhr ihre Eltern mit einem Messer erstochen und ist anschließend noch auf ihren Bruder, ihre Schwester und einen Bekannten losgegangen. Die 53 und 35 Jahre alten Männer wurden leicht verletzt, die 33-jährige Schwester schwer. Die Polizei spricht von psychischen Problemen der Frau. Die geständige Tatverdächtige griff ihre 66 Jahre alte Mutter während eines Gespräches an, erstach sie und tötete anschließend auch den zur Hilfe eilenden 72 Jahre alten Vater.

Die Außenjalousien an den Arbeitsräumen des Dentallabors sind am Morgen runtergelassen, gegen die hell scheinende Sonne und wohl auch gegen neugierige Blicke. Alle Parkplätze sind belegt, die Mitarbeiter zur Arbeit erschienen. Auskunft geben möchte niemand. Interessierte Journalisten werden höflich aber bestimmt an der Tür abgewiesen.

Martina Schneider ist an diesem milden Spätsommermorgen mit Hund und Fahrrad auf einem Wanderweg in Sichtweite der Sackgasse unterwegs und sagt, sie habe die Laborbesitzer oft gesehen. "Das finde ich furchtbar, einfach nur furchtbar. So etwas geht mir lange nicht aus dem Kopf." Karin Schilling ergänzt, sie habe den Mann oft beim Jogging gesehen und die Frau häufig im Garten bei der Arbeit.

Hubertus Schönsee wohnt schon seit 33 Jahren in der knapp 20 000 Einwohner zählenden Stadt im Kreis Segeberg, nicht weit weg vom Tatort. "Das ist eine ruhige Gegend hier", sagt er. Mal wurde ein Autoradio geklaut oder etwas in der Art. Aber an ein solches Verbrechen kann er sich nicht erinnern.

Eine Nachbarin, die namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt von den Anfängen der Siedlung vor mehr als drei Jahrzehnten, wie das Dentallabor im Laufe der Jahre größer wurde, von der Nachbarschaft und den Kindern. Wie andere Anwohner auch hat sie vom schrecklichen Geschehen am Abend nichts mitbekommen, nur einen Polizeiwagen gesehen und erst am Morgen im Radio erste Einzelheiten gehört. Sie ist fassungslos. In der ganzen Siedlung ist zu spüren: Die Idylle in diesem ruhigen Teil Kaltenkirchens ist zerrissen.