Afghanistan: Anschlag auf Nato-Konvoi

Drei deutsche Polizisten in Kabul getötet

Die Bombe explodierte am Straßenrand und zerstörte das Militärfahrzeug, in dem die drei Beamten des Bundeskriminalamtes saßen. Die Taliban bekannten sich zu dem Attentat. Indessen ist die Diskussion um den deutschen Einsatz in Afghanistan aufs Neue entbrannt.

Kabul/Berlin. Bei einem Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Mittwoch drei deutsche Polizisten getötet worden. Die Beamten waren vom Bundeskriminalamt (BKA) nach Kabul entsandt worden. Unter den Toten sind auch Personenschützer des deutschen Botschafters in Kabul, Hans- Ulrich Seidt. Ein weiterer deutscher Polizist wurde demnach bei dem Anschlag verletzt.

Die Sicherheitsbeamten sollen auf dem Weg zu einem Schießstand im Bezirk Bagrami im Osten der afghanischen Hauptstadt gewesen sein, als am Straßenrand ein Sprengsatz explodierte. Die radikal-islamischen Taliban teilten auf ihrer Internetseite mit, sie hätten am Mittwochvormittag in Bagrami einen Anschlag mit neun Toten auf ausländisches Militär verübt. Opferangaben der Taliban sind oft deutlich übertrieben.

Nach Augenzeugenberichten standen am Anschlagort zwei weiße Geländewagen der Botschaft. Einer davon lag auf der Seite, ein anderer stand in der Nähe. Eines der Fahrzeuge ist nach Angaben der afghanischen Polizei zerstört und trägt eine deutsche Flagge. In Bagrami fährt die Bundeswehr seit mehreren Jahren Patrouille.

Örtliche Polizeikräfte hatten zunächst davon gesprochen, drei deutsche Soldaten seien getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Berlin dementierte jedoch diese Angaben. Zuletzt starben im Mai bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus drei deutsche Soldaten und fünf afghanische Zivilisten.

SPD-Chef Kurt Beck äußerte sein Mitgefühl für die Opfer. "Was an zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu machen ist, wird jetzt zu untersuchen sein." Beck warnte aber vor einem überstürzten Kurswechsel beim deutschen Engagement in Afghanistan. "Jedes Ereignis dieser Art muss in die Debatten um das Mandat (der Bundeswehr) einbezogen werden. Man kann aber jetzt nicht unter dem aktuellen Eindruck eines solchen Ereignisses eine grundlegende Kurskorrektur einleiten", sagte Beck am Rande seiner Sommerreise in Marburg. Deutschland werde zum Aussöhnungs- und Normalisierungsprozess in Afghanistan auch weiter seinen Beitrag leisten müssen, erklärte Beck, der zuvor mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gesprochen hatte.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Lage in Afghanistan sei nach wie vor ernst: "Das Engagement in Afghanistan ist richtig und wichtig. Wir dürfen vor dem Terror der Taliban nicht zurückweichen." FDP-Parteichef Guido Westerwelle betonte, er sei "tief betroffen" vom Tod der drei Deutschen. "Die Opfer haben für Sicherheit und Stabilität in einem geschundenen Land gearbeitet. Wer vor dem Terror zurückweicht, kapituliert vor diesen Mördern."