Bluttat in Duisburg: Rivalisierende Familienclans

Sechs Italiener Opfer einer Mafia-Fehde

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Die sechs Männer, die am Duisburger Hauptbahnhof förmlich hingerichtet wurden, gehörten zu einem kalabrischen Mafia-Clan. So, wie ihre mutmaßlichen Mörder.

Duisburg. Mordanschlag im Mafia-Milieu: Ein Killer-Kommando hat in der Nacht zum Mittwoch in Duisburg sechs Italiener mit Kopfschüssen kaltblütig getötet. Die italienische Polizei geht von einer blutigen Fehde rivalisierender Mafia-Familien aus, die Polizei in Duisburg wollte dies zunächst nicht bestätigen. Im Kugelhagel starben Jugendliche und Männer im Alter zwischen 16 und 39 Jahren, von denen fünf verwandt waren und aus der Ortschaft San Luca in Kalabrien stammten - der Hochburg der Mafia-Organisation 'Ndrangheta. Die tödlichen Schüsse fielen um 2.30 Uhr vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno" in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofes.

Die sechs Opfer waren Mitarbeiter und Inhaber der Pizzeria und hatten dort den Geburtstag eines 18-jährigen Auszubildenden gefeiert. Sie hatten das Lokal gerade verlassen und saßen in zwei Autos, als die Mörder - vermutlich zwei Männer - das Feuer eröffneten und die Wagen mit Pforzheimer und Duisburger Kennzeichen "mit einer Vielzahl von Kugeln" durchsiebten, wie die Polizei mitteilte.

Auch die Opfer wiesen "eine Vielzahl von Einschüssen auf", die Obduktion ihrer Leichen werde vermutlich mehrere Tage dauern. Ob die Killer mit Maschinenpistolen schossen, müssten nun die Untersuchungen der am Tatort entdeckten Kugeln und Geschosshülsen ergeben.

Nach Polizeiangaben in Rom soll es sich bei den verfeindeten Mafia-Clans um die Familien Pelle-Romeo und Strangio-Nirta handeln. Unterschiedliche Angaben gab es darüber, welchen Familien Opfer und Täter zuzurechnen seien. Beide Clans sollen der 'Ndrangheta, dem kalabrischen Arm der Mafia angehören, der mit einem geschätzten "Jahresumsatz" von 35 Milliarden Euro als eine der mächtigsten Mafia- Organisationen Europas gilt. Als Spezialgebiet der 'Ndrangheta gilt der Kokainhandel. Inoffiziellen Angaben italienischer Ermittler zufolge besteht die 'Ndrangheta aus etwa 100 Familienclans mit 7000 Mafiosi. Die traditionell mächtigsten Familien stammten aus San Luca.

In der Nähe des Tatorts wurden zwei Männer gesehen. Die Polizei wertete Videos einer Überwachungskamera aus, die an einem Verwaltungsgebäude in Tatortnähe installiert waren. Auf den Aufnahmen seien vermutlich nur "zwei weglaufende Personen" zu sehen.

Die sechs Opfer waren nach Angaben der Polizei unbewaffnet. Fünf von ihnen waren sofort tot, der sechste Mann starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Eine Passantin hatte die Schüsse gehört und eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife angehalten. Die Beamten waren sofort zum Tatort geeilt und hatten im Umkreis von 30 Kilometern Großalarm ausgelöst.

Am Mittwochvormittag vernahmen die Beamten die Angehörigen der Opfer. Die Autos, mit denen die sechs Männer unterwegs waren, wurden von Experten der Spurensicherung unter die Lupe genommen. "Die werden jetzt Zentimeter für Zentimeter untersucht", sagte Polizeisprecher Egbert Dörnemann. Zudem begannen Spezialisten den Tatort mit Spürhunden abzusuchen. Ein Polizei-Hubschrauber unterstützte die Spurensuche aus der Luft.

In Italien bezeichnete der für Ermittlungen gegen die Mafia zuständige Staatsanwalt Pietro Grasso es in einem TV-Interview als "absolute Neuigkeit", dass sich eine solche Gewalttat im Ausland abspiele. Die Opfer seien offenbar nach Duisburg gelockt worden, weil die Täter sich den Folgen ihrer Rache entziehen wollten.

( dpa )