Unwetter: Heftige Gewitter und Überschwemmungen

Rheinschifffahrt lahmgelegt

Der starke und lang andauernde Regen hat zu Überschwemmungen und Hochwasseralarm in Süddeutschland und in der Schweiz geführt. Hochwasserexperten erwarteten für den Abend einen Rhein-Wasserstand von etwa 7,50 Meter in Karlsruhe. Der Scheitelpunkt wird mit etwa 8,50 Metern wahrscheinlich am Freitagmittag erreicht.

Hamburg. Sintflutartige Regenfälle haben in Süddeutschland und der Schweiz für schwere Schäden und Überschwemmungen gesorgt. Die Schifffahrt auf dem Rhein wurde dort am Donnerstag lahmgelegt. Straßen und Bahnstrecken wurden überflutet, Campingplätze standen unter Wasser, unzählige Keller liefen voll. Bereits in der Nacht hatten die Behörden in mehreren Schweizer Kantonen Hochwasseralarm gegeben. Auch in Hamburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Sachsen und Thüringen strömte der Regen in gewaltigen Mengen vom Himmel. Blitze setzten Häuser in Brand. In den kommenden Tagen soll es nach Prognosen der Meteorologen weiter regnen.

Hochwasserexperten erwarteten für den Abend einen Rhein-Wasserstand von etwa 7,50 Meter in Karlsruhe - und damit einen Stopp für die Schifffahrt. Der Scheitelpunkt werde mit etwa 8,50 Metern wahrscheinlich am Freitagmittag erreicht, sagte eine Sprecherin der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ). Am Vormittag war die Rheinschifffahrt bereits im Raum Rheinfelden, in Basel sowie in einzelnen Abschnitten des Mittelrheins eingestellt worden. Auch die Franzosen stoppten den Schiffsverkehr. In Speyer könne der Pegelstand von 4,60 Metern am Nachmittag weiter auf 8 Meter steigen, sagte die HVZ-Sprecherin weiter.

Vor allem in den Kreisen Waldshut-Tiengen und Lörrach hatte die Feuerwehr mit den Wassermassen zu kämpfen. Überflutungen gab es auch an anderen Stellen am Hochrhein. Im Kreis Lörrach standen in der Nacht zum Donnerstag mehrere Straßen unter Wasser, einige Keller liefen voll und mehrere Bäume stürzten um. Nach Angaben des Kreisbrandmeisters waren etwa 250 Feuerwehrleute im Einsatz. So ein heftiges Hochwasser gebe es statistisch betrachtet nur etwa alle 50 Jahre, sagte ein Sprecher des Landratsamtes in Waldshut-Tiengen.

Heftiger Regen hielt auch die Feuerwehr im nordrhein-westfälischen Münster in Atem. Im Raum Chemnitz hatten heftige Gewitter bereits in der Nacht große Schäden angerichtet. Nach Blitzeinschlägen brannten der Dachstuhl eines Doppelhauses und eine Scheune. Die A 7 beim Hamburger Autobahndreieck Nordwest hatte sich am Mittwochabend in eine Seenlandschaft verwandelt: Auf 400 Metern war die Fahrbahn 20 Zentimeter hoch überflutet. Am frühen Abend war der Berliner Flughafen Tegel wegen des Unwetters vorübergehend gesperrt worden.

In der Schweiz mussten dutzende Straßen und Bahnstrecken wegen Überschwemmungen und Erdrutschen gesperrt werden. Besonders betroffen waren die Zentralschweiz, das Mittelland und der Kanton Jura. In Jura gingen mehr als 400 Notrufe ein. Einheiten der Armee unterstützten die Feuerwehren. Versicherungen rechneten mit Schäden in Höhe von weit über sieben Millionen Franken (vier Millionen Euro). Überschwemmungen ähnlichen Ausmaßes hatte es im Kanton Jura zuletzt im Juni 1973 gegeben. Am Nachmittag entspannte sich die Lage wieder. Bei Aufräumarbeiten im Kanton Freiburg kam es zu zwei Unfällen, fünf Menschen wurden leicht verletzt. Auch in Basel stabilisierte sich die Lage im Tagesverlauf. Das Wasser trat nicht über das mit Sandsäcken gesicherte Rheinufer.

Hochwasserschäden wurden auch aus dem österreichischen Vorarlberg gemeldet. Mehrere Bäche traten in der Region über die Ufer, Straßen mussten gesperrt werden, zahlreiche Keller standen unter Wasser. Die Lage entspannte sich anschließend zunächst, für Sonnabend wird allerdings weiterer Regen erwartet.

In Bulgarien durchbrachen zwei Tage nach den verheerenden Überschwemmungen kleinere Flutwellen Schutzdeiche in der Region Russe. Weite Flächen Ackerland wurden überflutet, weitere Flutopfer gab es aber nicht. Das Hochwasser hatte zuvor zehn Menschen das Leben gekostet. In dem Städtchen Zar Kalojan im Nordosten wird noch eine Frau vermisst.

Völlig verrückt schien das Wetter in Italien zu spielen: Während im Süden des Landes weiterhin die Sonne vom Himmel brannte und mehrere Regionen mit Waldbränden kämpften, wurde der Norden von schweren Unwettern heimgesucht. In Florenz ließen Windböen am Mittwoch mehrere Fenster des berühmten Palazzo Pitti zerspringen. Heftiger Regen beschädigte den Boden und einige Fresken des Museums. In Südtirol fiel die Schneefallgrenze auf 2400 Meter.