Tipps für Bahn-Reisende

Frankfurt/Main. Verspätungen, Zugausfälle und lange Wartezeiten: Einen bundesweiten Streik der Lokomotivführer bekommen Millionen Reisende rasch zu spüren. Wer seine Reise wegen des bevorstehenden Arbeitskampfs bei der Deutschen Bahn erst gar nicht antreten kann, hat laut Bahn die Möglichkeit, die Fahrkarten kostenlos umzutauschen oder sich den Reisepreis erstatten zu lassen. Das gelte für alle Karten und Reservierungen, die an einem Streiktag gültig sind. Entsprechende Regelungen, die schon während der Warnstreiks vor einigen Wochen galten, sollen nach Angaben der Bahn auch bei einem unbefristeten Streik gelten. Informationen erhalten Reisende unter der kostenlosen Hotline mit der Rufnummer 08000-996633 . Auch im Internet informiert die Bahn über die aktuelle Lage im Zugverkehr unter bahn.de/aktuell . Detailliertere Informationen gibt es auf reiseauskunft.bahn.de/bin/bhftafel.exe. Nach der Angabe des gewünschten Bahnhofs zeigt die Seite alle planmäßigen Abfahrten oder Ankünfte und ob die Züge pünktlich sind. Die Übersicht informiert auch darüber, mit wie viel Verspätung gerechnet wird und ob eine Verbindung möglicherweise komplett ausfällt.

Reisende, die ihren Anschlusszug verpassen, dürfen unter Umständen in den nächstmöglichen Zug steigen, auch wenn damit eine höherwertige Verbindung in Anspruch genommen wird und man dafür eigentlich keine Karte besitzt. Das ist vor allem für Kunden mit einem Ticket zum "Dauer-Spezial-Preis" oder Sparpreis-Konditionen wichtig. Denn diese Reisenden haben sich auf einen bestimmten Zug festgelegt.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es zum Thema Entschädigung nach Maßgabe der Kundencharta der Deutschen Bahn. Dem Regelwerk zufolge stehen Kunden im Fernverkehr nämlich Entschädigungsleistungen zu, wenn es zu deutlichen Verspätungen kommt. Dazu gehören unter anderem Reisegutscheine im Wert von 20 Prozent des Fahrpreises, sollte ein Fernzug mit mehr als 60 Minuten Verspätung an seinem Ziel ankommen.

Weil die Bahn Streik als höhere Gewalt einstuft, haben Kunden nach Ansicht des Konzerns keinen Anspruch auf solche Leistungen, zu denen möglicherweise auch eine Taxifahrt oder eine Hotelunterbringung zählen würde, wenn es spät abends per Zug nicht weitergeht.

Das sehen Verbraucherschützer allerdings anders: So argumentiert die Berliner Schlichtungsstelle Mobilität, die Reisenden bei der Durchsetzung ihrer Rechte behilflich ist, dass die Bahn Einfluss auf den Gang der Verhandlungen haben und den Streik verhindern könne. Dann liege eben keine höhere Gewalt vor.

Das sieht auch der Reiserechtler Ernst Führich von der Fachhochschule Kempten so. Er rät allen im Fernreisenden, innerhalb eines Monats ab dem Tag der Verspätung, mit einer Kopie der Fahrkarte mindestens einen Gutschein über 20 Prozent des Fahrpreises von der Bahn zu verlangen. Darüber hinaus sollten Kunden auch Schadensersatz für eine möglicherweise notwendig gewordene Übernachtung, eine Taxifahrt oder die Telefonkosten zu verlangen.