Tarifkonflikt: 95,8 Prozent der Lokführer für Arbeitskampf

Streiks beginnen Donnerstag im Güterverkehr

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Arbeitsniederlegungen können auch Auswirkungen auf den Personenverkehr haben und zu Verspätungen führen. Unternehmen befürchten erhebliche Auswirkungen.

Hannover. Große Unternehmen in Niedersachsen befürchten wegen des Lokführer-Streiks erhebliche negative Folgen für die Wirtschaft. Ein Sprecher des zweitgrößten deutschen Stahlkochers Salzgitter sagte: "Für die Stahlindustrie ist das Verkehrsaufkommen, das wir mit der Bahn haben, gewaltig." Ein Streik habe "bedeutende Auswirkungen". Die Salzgitter AG appelliere an die Deutsche Bahn AG, die vereinbarte Leistung zu erbringen, zu der sie per Vertrag verpflichtet sei. Auch VW trifft der Arbeitskampf. "Wir nehmen den Streik mehr als ernst", sagte ein Sprecher des Autobauers in Wolfsburg. Zu möglichen Schadenersatzforderungen an die Bahn wollten sich die Unternehmenssprecher nicht äußern.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will ihren Streik an diesem Donnerstag im Güterverkehr beginnen, und zwar bundesweit. Der Personenverkehr werde zunächst außen vor gelassen, hieß es. Wegen des Streiks im Güterverkehr könne es aber zu Verspätungen im Personenverkehr kommen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn AG sagte, zu konkreten Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Niedersachsen könne die Bahn noch keine Angaben machen.

Die GDL-Mitglieder hatten sich mit einer überwältigender Mehrheit von 95,8 Prozent für einen Arbeitskampf ausgesprochen, um ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag und deutlich mehr Geld durchzusetzen. Die Bahn hatte angekündigt, sie wolle bei einem Streik einen eingeschränkten Betrieb aufrechterhalten.

Der VW-Sprecher sagte, der Autobauer könne das Ausmaß der Auswirkungen eines Streiks bei der Bahn noch nicht abschätzen. Entscheidend werde sein, ob und welche Knotenpunkte lahm gelegt würden. Die VW-Logistiker seien derzeit dabei, alternative Transportwege zu überdenken. "Unsere Logistiker arbeiten rund um die Uhr." Erste Alternative sei die Straße. Verlagerungen von der Schiene auf die Straße seien aber nur bis zu einer gewissen Grenze möglich. VW komme es aber zugute, dass derzeit Werksferien seien. Erstes Gebot für den Autobauer sei es, Liefertermine an Kunden einzuhalten.

Auch der Autozulieferer Continental würde einen Streik spüren. Die Conti sieht sich aber gerüstet und prüft nach Angaben einer Sprecherin Verlagerungen von der Schiene auf die Straße. Ein Streik würde vor allem die Lieferung von Lkw-Reifen aus dem slowakischen Conti-Werk Puchov nach Deutschland treffen. Die Lagerkapazitäten dort könnten aufgestockt werden. Beim Reiseveranstalter TUI hieß es, der Bahn-Streik könnte vor allem Auswirkungen auf das Angebot "Zug zum Flug" haben. Das Ausmaß sei aber noch nicht abzusehen.

Aus Sicht der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) beschädigt der Streik das Image des gesamten Eisenbahnverkehrs. "Es ist unverständlich, warum sich beide Seiten nicht an einen Tisch setzen und das Problem lösen", sagte Wolf Gorka, Geschäftsführer der LNVG, einer Tochter des Landes Niedersachsen, in Hannover. "Wir haben derzeit eine Renaissance des Bahnverkehrs mit zweistelligen Zuwachsraten sowohl im Nah- als auch im Güterverkehr. Ein Streik würde da vieles kaputt machen." Der Deutschen Bahn drohten zudem Millionen-Strafgelder, weil sie infolge des Streiks eingekaufte Leistungen nicht erbringen könne. Die LNVG schließt unter anderem Verträge mit Eisenbahnverkehrsunternehmen.