Afghanistan: Provinz Ghasni

Zweite südkoreanische Geisel erschossen

Der Leichnam war von Kugeln durchsiebt. Die Taliban setzten ein neues Ultimatum für die verbliebenen 21 Südkoreaner - bis Mittwochmittag.

Ghasni/Seoul. Die afghanische Polizei hat die Leiche der zweiten von den Taliban getöteten südkoreanischen Geisel in der Provinz Ghasni gefunden. "Der Leichnam des Südkoreaners wurde in der Nacht im Distrikt Andar gefunden. Er wies Einschüsse von Kugeln auf", sagte der Chef der Provinzpolizei, Alischah Ahmadsai, am Dienstag. Kurz darauf setzten die Taliban ein neues Ultimatum für die verbliebenen 21 Südkoreaner bis Mittwochmittag (9.30 Uhr MESZ). Südkorea reagierte mit Empörung und Trauer auf die Nachricht von der Hinrichtung. Bei der getöteten Geisel handelt es sich nach Angaben des Außenministeriums in Seoul um den 29-jährigen Shim Sung Min.

Der von Kugeln durchsiebte Leichnam des Südkoreaners wurde in der Nähe einer Straße gefunden. Die Taliban hatten am Montag erklärt, in Reaktion auf die gescheiterten Verhandlungen mit der afghanischen Regierung einen in ihrer Gewalt befindlichen Südkoreaner erschossen zu haben. In der vergangenen Woche hatten sie bereits einen 42-jährigen Pastor der Gruppe erschossen. Die 23 südkoreanischen Christen, die sich zu einem Hilfseinsatz in Afghanistan aufhielten, waren am 19. Juli in Ghasni verschleppt worden. Die Taliban fordern die Freilassung von acht ihrer Kämpfer aus afghanischen Gefängnissen.

"Unser letztes Ultimatum für die noch lebenden 21 Südkoreaner ist morgen Mittag", sagte Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Zuvor hatte Ahmadi bereits damit gedroht, dass weitere Geiseln sterben müssten, wenn die Regierung in Kabul nicht auf die Forderungen eingehe.

Ein Sprecher des südkoreanischen Außenministeriums verurteilte die Ermordung der zweiten Geisel als "unbarmherzig". Zugleich forderte er die Entführer auf, keine "weiteren Brutalitäten" zu begehen. Präsidentensprecher Choen Ho Seon sagte, "wenn sich die Tötung eines unserer Bürger wiederholt, wird die Regierung nicht stillhalten". Die Täter würden zur Rechenschaft gezogen.

Die getötete Geisel hatte erst vor zwei Monaten seine Arbeitsstelle bei einer IT-Firma in Seoul gekündigt, um als Lehrer für Behinderte in einem Vorort zu arbeiten, wie Familienangehörige südkoreanischen Medien erzählten. Sein neuer Arbeitgeber, die Saem-Mul-Kirche, schickte die Missionare nach Afghanistan.