VW-Affäre: Aufsichtsrat Lenz legt Ämter nieder

Lesedauer: 2 Minuten

Die VW-Affäre um Lustreisen auf Firmenkosten hat für einen weiteren Rücktritt gesorgt: VW-Aufsichtsratsmitglied Günter Lenz, zugleich Betriebsratschef von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover, legte heute wegen der Verwicklung in die Affäre seine Ämter bei dem Autobauer nieder.

Hannover. Die VW-Affäre um Lustreisen auf Firmenkosten hat für einen weiteren Rücktritt gesorgt: VW-Aufsichtsratsmitglied Günter Lenz, zugleich Betriebsratschef von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover, legte heute wegen der Verwicklung in die Affäre seine Ämter bei dem Autobauer nieder. Mitte Juni war er bereits als niedersächsischer SPD-Landtagsabgeordneter zurückgetreten.

Der Betriebsrat von Volkswagen Nutzfahrzeuge teilte nach einer Betriebsversammlung in Hannover mit, Lenz habe erklärt, einen Strafbefehl zu akzeptieren. Dies kommt einem Schuldeingeständnis gleich. Bisher hatte der 47-Jährige Vorwürfe, an Lustreisen auf VW-Kosten teilgenommen zu haben, stets bestritten.

Im Zuge der VW-Affäre waren bereits unter anderem der frühere VW- Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert, Ex-Arbeitsdirektor Peter Hartz und der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl zurückgetreten.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft Lenz in zwei Fällen Beihilfe zur Untreue vor. Er soll 2001 und 2002 an Lustreisen auf VW-Kosten teilgenommen haben. Dabei sei ein finanzieller Schaden von insgesamt 600 Euro entstanden. "Damit hat er sich eines Vergehens schuldig gemacht", erklärte der Betriebsrat von VW Nutzfahrzeuge. Lenz habe sich vor allem nach "intensiver Beratung" mit seiner Familie entschlossen, einen Strafbefehl zu akzeptieren.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, das Ermittlungsverfahren gegen Lenz sei noch nicht abgeschlossen. Es gebe auch noch keinen Strafbefehl - die Möglichkeit bestehe aber und sei bei Verfahren mit überschaubarer Strafhöhe gängige Praxis. Als Voraussetzung verlange die Justiz aber, dass der Strafbefehl von Lenz anerkannt werde. Dies beinhalte auch den Verzicht auf eine Berufung. Zu einem Prozess käme es in diesem Fall nicht.

Lenz war seit 1998 Betriebsratsvorsitzender bei VW Nutzfahrzeuge (VWN), seit 1999 saß er im Aufsichtsrat der Volkswagen AG. Sein Nachfolger an der Spitze des VWN-Betriebsrates muss noch gewählt werden. Kommissarisch führt das Gremium der stellvertretende Vorsitzende, Heinrich Söfjer. Auch die Nachfolge von Lenz im VW- Aufsichtsrat ist noch ungeklärt.

Vor einem Monat hatte Lenz unter dem Druck der niedersächsischen SPD-Spitze bereits sein Landtagsmandat abgegeben. Damals hatte er erklärt, seine Ämter als VWN-Betriebsratschef und VW- Aufsichtsratsmitglied bis zum Abschluss des Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft ruhen zu lassen.