Verlängerte Hamburger Airbus-Startbahn für Übergabeflüge

Der Flugzeughersteller Airbus hat am Montag die verlängerte Startbahn auf dem Firmenflughafen in Hamburg- Finkenwerder offiziell übernommen. Der Ausbau um 589 Meter auf 3273 Meter war jahrelang umstritten.

"Mit der verlängerten Start- und Landebahn ist eine Entwicklungsperspektive für das Wachstum der A380- Familie und die Zukunftsfähigkeit des Standortes gesichert", sagte der Chef von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken. "Wir sind jetzt in der Lage, alle Versionen der A380-Familie in Hamburg auszuliefern."

Das Gelände von Airbus in Hamburg-Finkenwerder grenzt an eine traditionelle Obstbauregion. Daher war der Ausbau Gegenstand von zahlreichen Protesten und Gerichtsverfahren. Anwohner und Umweltschützer befürchteten die Zerstörung einer einzigartigen Kulturlandschaft. "Wir haben 241 Prozesse gewonnen", sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. Er wies vor allem auf die Arbeitsplatzeffekte durch die Luftfahrtindustrie in Hamburg hin.

"Allein am Standort Hamburg sind durch die A380-Produktion dauerhaft rund 4000 neue Arbeitsplätze entstanden", sagte Uldall. Insgesamt arbeiten mehr als 35 000 Menschen in Hamburg in der Luftfahrtbranche. Die Region zählt neben Toulouse und Seattle zu den weltweit wichtigsten Zentren der Branche. Allerdings sind die deutschen Airbus-Mitarbeiter nach Angaben der IG Metall Küste derzeit sehr verunsichert. Im Zuge des Airbus-Sanierungsprogramms Power8 sollen allein in Hamburg mehr als 2000 Stellen wegfallen. Bis Jahresende werden nach Einschätzung der Betriebsräte aber auch mehrere hundert Arbeitskräfte in der A380-Produktion hinzukommen.

Nach Angaben von Airbus war die Verlängerung der Startbahn erforderlich, um Abnahmeflüge für alle A380-Versionen durchführen zu können. Bei diesen Flügen prüfen Airbus und Kunden die Leistungsfähigkeit und Verbrauchswerte eines neuen Jets bei der Übergabe. In Hamburg soll ein Auslieferungszentrum entstehen, in dem A380-Kunden aus Europa und dem Nahen Osten ihre neuen Jets übernehmen sollen.

Nach Angaben der Wirtschaftsbehörde kostete der Ausbau der Startbahn rund 38 Millionen Euro. "Wir können dem Unternehmen Airbus damit die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellen, um im weltweiten Wettbewerb der Standorte die erforderliche Leistungsfähigkeit aufzuweisen", sagte Staatsrat Gunther Bonz. Durch den Ausbau ist die Startbahn in Hamburg jetzt ungefähr genauso lang wie am Airbus-Werk in Toulouse.

Im Hamburger Werk werden unter anderem Rumpfsegmente der A380 gefertigt und dann per Schiff nach Toulouse gebracht. Von dort aus fliegen die Jets wieder nach Finkenwerder, wo sie ihre Innenausstattung bekommen. Diese gilt als anspruchsvoll, da die Fluggesellschaften inzwischen eigene Konzepte bei Komfort und Unterhaltungstechnik umsetzen. Die Übergabe der fertigen Jets erfolgt entweder in Toulouse oder Hamburg. Außerdem ist das hiesige Werk seit langem Fertigungszentrum für die Kurz- und Mittelstreckenjets A318, A319 und A321.

Am Airbus-Stammsitz in Toulouse wurde am gleichen Tag eine neue Führungsstruktur für das Unternehmen bekanntgegeben. Danach wird der Deutsche Thomas Enders die Flugzeugtochter des Mutterkonzerns EADS lenken. EADS wiederum wird künftig allein von dem Franzosen Louis Gallois geführt. Gallois war bisher neben Enders Co-Chef von EADS sowie Airbus-Chef; die umstrittene Doppelspitze wird aufgelöst.