Nach Pannenserie in Kernkraftwerken:

Vattenfall feuert Thomauske

Bruno Thomauske war Geschäftsführer der Atomsparte. Mit seiner Entlassung will der Konzern "verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen".

Berlin. "Wir werden alles tun, um Fehler und Versäumnisse für die Zukunft auszuschließen", versprach der Vattenfall-Vorstand am Montag in Berlin. Bis auf weiteres übernimmt nun Kraftwerksvorstand Reinhardt Hassa Thomauskes Posten, also die Geschäftsführung der Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE). Die Maßnahmen seien in Abstimmung mit der schwedischen Muttergesellschaft beschlossen worden, hieß es.

Weiter will der Konzern unabhängig von den behördlichen Untersuchungen noch diese Woche eine hochrangige Expertengruppe mit Vertretern aus Technik und Wissenschaft einsetzen, die eine Gesamtanalyse vornehmen und Verbesserungsvorschläge erarbeiten soll. Für diese Aufgabe werde der Expertengruppe ein Etat von fünf Millionen Euro bereitgestellt, erklärte das Unternehmen.

Die Empfehlungen der Gruppe sollten lückenlos umgesetzt werden: "Es geht uns darum, jeden Zweifel an der Sicherheit der Anlagen und der betrieblichen Abläufe auszuräumen." Die Expertengruppe soll in den nächsten Tagen vorgestellt werden.

Darüber hinaus habe der Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem persönlichen Gespräch angeboten, in Abstimmung mit der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde in Kiel einen Experten des gemeinsamen Vertrauens in diese Expertengruppe zu entsenden.

Bis zur kompletten Klärung aller offenen Fragen und Umsetzung aller erforderlichen Maßnahmen werde das Kraftwerk Krümmel nicht wieder angefahren, hieß es weiter. Darüber hinaus habe der Leiter der Konzernkommunikation von Vattenfall Europe, Johannes Altmeppen, dem Vorstandsvorsitzenden seinen Rücktritt erklärt. Seine Funktion werde kommissarisch von Rainer Knauber, Leiter des Konzernbereichs Politik und Gesellschaft, wahrgenommen.

Die Entlassung Thomauskes beeinflusst nach Angaben der Kieler Atomaufsicht nicht die Sachaufklärung. "Vattenfall muss technisches und menschliches Versagen in seinen Kernkraftwerken ausschließen", erklärte die in Schleswig-Holstein für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht. "Dafür ist das Unternehmen den Beweis noch schuldig, die Kritik der Atomaufsicht ist nicht ausgeräumt."

Die Entlassung von Thomauske sei eine unternehmerische Entscheidung, der strukturelle Veränderungen folgen müssten, erklärte die Ministerin. Sie verlange größtmögliche Sicherheit von Vattenfall. Das bedeute, dass alle Mitarbeiter des Unternehmens über die erforderliche Zuverlässigkeit und Fachkunde verfügen müssen.

Indes schätzte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel nach bisherigen Erkenntnissen als "nicht sehr gravierend" ein. Eine abschließende Bewertung könne jedoch erst nach einer intensiven Befragung auch der Einzelverantwortlichen erfolgen, sagte der Präsident des BfS, Wolfram König, im Deutschlandradio Kultur.