Erste Militärparade zum 14. Juli mit Soldaten aus allen EU-Staaten

Unter dem neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy hat Frankreich seine Militärparade zum Nationalfeiertag am 14. Juli erstmals mit Soldaten aus allen EU-Staaten begangen.

Paris. Unter dem neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy hat Frankreich seine Militärparade zum Nationalfeiertag am 14. Juli erstmals mit Soldaten aus allen EU-Staaten begangen. Das EU-Defilee sei eine "großartige Geste für Europa", sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso nach der Parade auf der Pariser Prachtstraße Champs Elysees am Samstag. Aus Deutschland kamen rund 30 Bundeswehr-Angehörige der Luftlandebrigade 26 aus Saarlouis. Zum ersten Mal nahmen auch zwei deutsche Tiger-Kampfhubschrauber an einem Überflug der Champs Elysees teil.

Mit der Parade gedenkt Frankreich der Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789 als Beginn der Französischen Revolution. Insgesamt nahmen bei teils sonnigem, teils bedecktem Himmel und einem kurzen Regenguss rund 4200 Soldaten, Feuerwehrleute und Polizisten teil.

Eröffnet wurde die Parade von den fast 900 EU-Soldaten, die wegen unterschiedlicher Marsch-Traditionen eine Woche lang den Gleichschritt üben mussten. Sie wurden von einem portugiesischen Soldaten - als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft - mit Europa-Fahne angeführt. Ein 13-jähriger Junge verlas später die Erklärung des Europa-Vordenkers Robert Schuman vom 9. Mai 1950. Zum Abschluss wurde die inoffizielle Europa-Hymne "An die Freude" von einem Militär- und einem Jugendchor gesungen.

"Ich wollte, dass Frankreich nach Europa zurückkehrt, und Europa in Frankreich vertreten ist", sagte der im Mai gewählte Sarkozy, nachdem die Franzosen vor zwei Jahren die EU-Verfassung in einer Volksabstimmung abgelehnt hatten. Das Defilee der EU-Soldaten sei für ihn "sehr bewegend" gewesen.

"Das ist mehr als ein Symbol, das hat eine sehr starke politische Bedeutung", sagte Barroso, der als Zuschauer das Defilee der Soldaten aus den 27 EU-Staaten beobachtet hatte. Dies zeige, dass sich Europa "den großen Herausforderungen" der Globalisierung stellen könne, wenn es in allen Bereichen einschließlich der Verteidigungspolitik geeint auftrete.

Unter den Ehrengästen der Feiern zum 14. Juli waren auch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Portugals Regierungschef Jose Socrates als EU-Ratsvorsitzender sowie der deutsche Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering. Nach den versuchten Anschlägen in London und Glasgow wurden die Sicherheitsmaßnahmen zu den Feiern deutlich verschärft. Rund 5000 Polizisten waren im Einsatz.

Auf dem Festprogramm stand am Nachmittag die traditionelle Gartenparty im Elysee-Palast. Anders als in den Vorjahren lud Sarkozy auch mehrere hundert "anonyme Helden" aus der Bevölkerung ein, die sich durch soziales oder anderes Engagement ausgezeichnet haben, sowie Menschen, die ein schweres Schicksal tragen müssen. Für den Abend hat die Regierung ein kostenloses Großkonzert unter dem Eiffelturm organisiert. An ihm sollte auch die deutsche Band Tokio Hotel teilnehmen. Den Abschluss sollte ein großes Feuerwerk bilden.

Vor den Feiern kam es in der Nacht zum Samstag zu zahlreichen Brandstiftungen, nachdem Frankreich im Herbst 2005 von wochenlangen Vorstadt-Krawallen heimgesucht worden war. Landesweit seien 266 Autos zerstört worden, teilte die Polizei in Paris mit. Dies waren etwas mehr als am 14. Juli vor einem Jahr, als 254 Fahrzeuge in Flammen aufgingen. Vier Polizisten wurden bei Auseinandersetzungen leicht verletzt. Insgesamt wurden laut Polizei hundert Menschen festgenommen, davon 89 in der Hauptstadt-Region Ile-de-France.