Totschlag statt Mord

Freispruch wegen Verjährung gefordert

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DNA-Analyse überführte heute 60-jährigen Täter. Staatsanwältin sieht Affekthandlung statt Mord.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer Prostituierten vor mehr als zwei Jahrzehnten ist die Staatsanwältin am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht von der Mordanklage abgerückt und hat einen Freispruch für den Angeklagten gefordert. Der mittlerweile 60 Jahre alte Mann hatte zwar zum Prozessauftakt zugegeben, die Frau im November 1985 mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben. Doch anders als in der ursprünglichen Anklage, wertete die Staatsanwältin die Tat nun als Totschlag, der nach 20 Jahren verjährt und damit gesetzlich nicht mehr bestraft werden kann. Hintergrund dieser Wende ist, dass der Mann mit der Prostituierten ein Verhältnis hatte und sie die Beziehung seiner Familie offenbaren wollte, wenn er nicht bei ihr geblieben wäre. In diesem Streit habe er dann nach einem Wutausbruch im Affekt mit dem Messer auf sie eingestochen.



DNA-Analyse brachte Polizei auf die Spur: Die Polizei war dem Täter erst vor einigen Monaten mit Hilfe einer DNA-Analyse auf die Spur gekommen. Diese Analysen waren damals noch nicht möglich.

Der Mann lebte inzwischen in einem Ort bei Coburg (Bayern) und wurde dort zu Jahresbeginn festgenommen. Fast 22 Jahre trug der Täter die Schuld mit sich herum. In einer Erklärung sagt er: "Die Geschehnisse beschäftigen mich bis heute. In den Nächten kommen die Erinnerungen immer wieder."

Der Anwalt des Bruders und der Mutter der Getöteten nannte den Schlussvortrag der Staatsanwältin "ein Verteidigungsplädoyer". Er betonte aber, dass die Hinterbliebenen keinen "Rachefeldzug" führten und die Entscheidung zwischen Mord oder Totschlag eine Gratwanderung für das Gericht sei. Die Plädoyers der Verteidiger sind für den 18. Juli und das Urteil für den 26. Juli geplant.

( dpa, lno, HA )