Fehmarn: Brücke über den Belt

4,8 Milliarden kommen aus Dänemark

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Peter Harry Carstensen dankt Dänemark für die Finanzierung. Befürworter sehen großen Aufschwung für Norddeutschland. Kritiker und Umweltschützer sind davon nicht überzeugt und befürchten Arbeitsplatzverluste in den Häfen.

Die Entscheidung zum Bau einer Fehmarnbelt-Brücke bringt nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) Rückenwind für weitere Großprojekte. So werde die westliche Umfahrung Hamburgs im Zuge der A 20 beschleunigt, sagte Carstensen am Mittwoch in einer Regierungserklärung. "Alles andere würde nicht nur die A 7, sondern auch die A 1 zu einem kaum noch passierbaren Nadelöhr machen." Die A 20 werde 2015 fertig sein. "Dann werden wir eine starke Ost-West-Achse und eine starke Nord-Süd-Achse haben", sagte der Regierungschef. "Schleswig-Holstein wird Knotenpunkt der wichtigsten Verkehrsrouten in Nordeuropa sein."


Dänemark sichert 4,8 Milliarden Euro zu: Für das Fehmarnbelt-Projekt gibt Dänemark zur Absicherung der Kredite eine Staatsgarantie über 4,8 Milliarden Euro. "Für diese mutige Entscheidung möchte ich der dänischen Regierung sehr herzlich danken." Das Projekt wird privat finanziert und 5,6 Milliarden Euro kosten. Aus Deutschland kommen 800 Millionen Euro für die Hinterlandanbindung. Schleswig-Holstein muss 60 Millionen Euro investieren; sie werden binnen elf Jahren fällig.


Fehmarner sind kritisch: Die Sorgen der Bürger auf Fehmarn vor negativen Folgen des Brückenbaus nehme er sehr ernst, sagte Carstensen. Er wolle dort nach der Sommerpause Gespräche aufnehmen. "Mit der Fehmarnbelt-Querung bringen wir die Region Hamburg/Lübeck dichter an die boomende Öresundregion. Lübeck und die schleswig-holsteinischen Gemeinden um Hamburg herum werden davon ebenso profitieren wie Hamburg selbst." Im Herbst werde er gemeinsam mit Bürgermeister Ole von Beust (CDU) Vorschläge für das weitere Zusammenwachsen beider Länder machen.

In der Debatte wurde die Brücke - nur Grüne und SSW äußerten massive Kritik - ganz überwiegend unterstützt "Wir erhoffen uns von der Querung sehr viel", sagte Lothar Hay (SPD). Er hätte sich von der Bundesregierung ähnlich großen Mut gewünscht, wie ihn Dänemark aufgebracht habe. Zu möglichen Folgen einer Brücke für Fehmarn sagte Hay: "Wir stehen in der Verantwortung, für Ersatzarbeitsplätze und neue Arbeitsplätze zu sorgen." Die Brücke dürfe nicht nur den Metropolen Kopenhagen und Hamburg zu Gute kommen.


Schäden für die Häfen befürchtet: "Der Bau wird Schleswig-Holstein massiv schaden", sagte der grüne Fraktionschef Karl-Martin Hentschel. Das habe nicht nur mit Gefahren für Vogel- und Naturschutz zu tun, sondern auch mit wirtschaftlichen Folgen. Hentschel verwies auf Verluste etwa für Reedereien oder den Lübecker Hafen. Milliarden würden in Beton gegossen, die für andere Zwecke gebraucht würden. Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) meinte zu Warnungen von Tierschützern, auf der Vogelfluglinie würden die Vögel parallel zur Brücke fliegen und nicht gegen sie. "Die Wasservögel knallen gegen die Brücke", konterte Hentschel.

Anke Spoorendonk vom SSW nannte es Irrsinn, fünfeinhalb Milliarden Euro für eine Brücke auszugeben, auf der so viele Autos fahren würden wie auf einer mittleren Ortsumgehung.

( lno, ha )