Libysches Gericht bestätigt Todesstrafen gegen Bulgarinnen

Das Oberste Gericht Libyens hat die Todesstrafen gegen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt am Mittwoch bestätigt.

Nach bislang unbestätigten Berichten aus Tripolis soll eine libysche Stiftung jedoch kurz vor der Urteilsverkündung eine "Vereinbarung" erzielt haben, die auch die Interessen der Familien der mit dem Aids-Virus infizierten Kinder berücksichtigt. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

"Das Recht wurde eliminiert", kritisierte der Anwalt der Bulgarinnen, Hari Haralampiew, das Urteil im bulgarischen Staatsrundfunk. Den Frauen und dem Arzt wird vorgeworfen, sie hätten mehr als 400 libysche Kinder vorsätzlich mit dem HI-Virus angesteckt.

Nur der Oberste Richterrat Libyens könne die Beschuldigten nun noch begnadigen, sagte Haralampiew in Tripolis. Dabei setze die Verteidigung auf die Unterstützung der USA und der Europäischen Union. Die Verhandlungen mit den Familien der libyschen Kinder über eine finanzielle Entschädigung gingen weiter, berichtete der bulgarische Staatsrundfunk. Der Sender zitierte einen Sprecher der libyschen Familien, der erklärte, es gebe noch keine Einigung.

Experten hatten den Aids-Ausbruch in dem libyschen Kinderkrankenhaus in der Hafenstadt Bengasi auf die schlechte Hygiene in der Klinik zurückgeführt. In die Bemühungen um eine Freilassung der Bulgarinnen und des Palästinensers hatte sich im vergangenen Monat auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eingeschaltet.

( dpa )