Papst erleichtert offiziell Feier der Messe auf Latein

In der Katholischen Kirche wird es ab September leichter, die Messe wieder in lateinischer Sprache zu feiern. Papst Benedikt XVI. erlaubte am Samstag in einem Dekret offiziell den alten Ritus als "außerordentliche Form der Liturgie der Kirche".

Vatikanstadt. In der Katholischen Kirche wird es ab September leichter, die Messe wieder in lateinischer Sprache zu feiern. Papst Benedikt XVI. erlaubte am Samstag in einem Dekret offiziell den alten Ritus als "außerordentliche Form der Liturgie der Kirche". Damit kann die so genannte tridentinische Messe im Ritus von 1962 zukünftig in lateinischer Sprache gefeiert werden, wenn dies Teile der Gemeinde wünschen. Bislang war dies nur nach bischöflicher Erlaubnis möglich. Benedikt XVI. entsprach damit Forderungen von Traditionalisten in der Katholischen Kirche. Die Liturgie von 1970, welche die Messe in der Landessprache vorsieht, soll aber weiterhin ordentliche Form des Gottesdienstes bleiben.

In einem Begleitbrief zum "motu proprio", dem Dekret des Papstes, erläuterte das katholische Kirchenoberhaupt die Beweggründe für seine Entscheidung: Er sei von dem Gedanken der "Wiederversöhnung" mit denjenigen Gläubigen getrieben, die der Liturgie ihrer Kindheit "weiter stark verbunden sind". Diese seien "tief verletzt" worden durch die "von der modernen Liturgie oft erlittenen Deformierung bis an die Grenze des Ertragbaren", schrieb der Papst. "Ich spreche hier aus Erfahrung", fügte er hinzu. Gleichzeitig betonte Benedikt XVI. aber, letztendlich seien die alte und die moderne Liturgie nur zwei Versionen des "gleichen römischen Ritus".

Kritik an der Papstentscheidung übte der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Pierre Ricard. Er befürchte, dass die Gründe für die Entscheidung des Papstes "nicht gut verstanden" würden. Auch sei die Verwaltung der Bitten von Gläubigen um Messen in lateinischer Sprache "keine einfach Sache". Schon jetzt seien die Priester "überlastet". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, begrüßte das päpstliche Dekret hingegen. Es könne eine Hilfe sein, "die volle Einheit mit jenen herzustellen, die sich aufgrund der liturgischen Entwicklungen (...) von der Gemeinschaft mit dem Papst getrennt haben", erklärte Lehmann. Die Liturgiereform von 1970 werde damit nicht in Frage gestellt.