U-Bahn in London entgleist

"Wir dachten, es war eine Bombe"

Die Angst vor einem neuen Terroranschlag sitzt tief in London. Für hunderte Passagiere kam es deshalb ihrem schlimmsten Albtraum gleich, als am Donnerstag eine U-Bahn mit einem lauten Ruck entgleiste - nur knapp eine Woche nach den versuchten Terrorattacken von London und Glasgow.

Panik brach aus, 37 Menschen wurden verletzt und medizinisch behandelt, 11 von ihnen kamen mit leichteren Verletzungen ins Krankenhaus. Rund 700 Pendler saßen bis zu zwei Stunden schockiert in dem Bahnschacht fest. Doch nach kurzer Zeit gab die Polizei Entwarnung: Es war kein Anschlag.

"Viele Leute weinten und schrien, sie fielen übereinander. Wir dachten, es war eine Bombe", sagte Augenzeuge Chris Christofi. Um 09.00 Uhr, mitten im Londoner Berufsverkehr, hob es mehrere Waggons der "Central Line" im Osten Londons aus den Gleisen, der Zug schwankte, kippte aber glücklicherweise nicht um. Ein weiterer Zug blieb dahinter im Tunnel stecken. Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge eilten zur Unglücksstelle zwischen den Stationen Mile End und Bethnal Green. "Es schüttelte uns unglaublich, der Waggon füllte sich mit Rauch und wir sahen überall Funken", erzählte Passagierin Jacqui McElroy.

Etwa 80 Minuten nach dem Unglück begann die Evakuierung der Waggons, die Passagiere wurden zur nächsten Station geleitet. "Die Menschen fühlten sich sehr schlecht", sagte Richard Porter vom Rettungsdienst. Nach Angaben der Verkehrsbetriebe war ein "Bündel" nicht näher bestimmter Gegenstände auf die Gleise gefallen. Ermittlungen wurden eingeleitet. "Es gibt keine Hinweise, dass das ein Terroranschlag war", sagte Polizeiinspektor Phil Trendall. Für alle eine große Erleichterung, denn erst am Vortag war die Terrorwarnstufe in Großbritannien nach den versuchten Autobombenanschlägen in London und Glasgow wieder gesenkt worden.

Die Londoner "Tube" gilt als neuralgischer Punkt für Terroranschläge. Täglich nutzen rund 2,6 Millionen Fahrgäste das längste und älteste U-Bahnnetz der Welt. Und viele Menschen fahren derzeit mit dem Hintergedanken U-Bahn, dass in wenigen Tagen der zweite Jahrestag der verheerenden Anschläge auf die U-Bahn und einen Bus ansteht. Am 7. Juli 2005 sprengten sich vier Selbstmordattentäter in drei Zügen und in einem Bus in die Luft. 52 Menschen starben, mehr als 700 wurden verletzt.

Auch kam es immer wieder zu Unfällen in der U-Bahn. Verspätungen und Schäden an dem maroden System gehören zum Alltag in London. Zuletzt waren in der britischen Hauptstadt im Januar 2003 beim Entgleisen einer U-Bahn 32 Menschen verletzt worden. Die Strecke wurde elf Wochen gesperrt. Danach entgleisten mehrfach Züge, ohne dass jedoch Passagiere zu Schaden kamen. Das schwerste Unglück ereignete sich 1975: Damals starben mehr als 40 Menschen, weil eine U-Bahn an die Wand einer Tunnelröhre prallte.