Formel 1: Silverstone

Grand Prix unter schlechten Vorzeichen

Für Shooting-Star Lewis Hamilton wird sein Heim-Rennen der wichtigste Grand Prix der laufenden Saison. Doch Terrorangst und die Spionage-Affäre um Ex-Ferrari-Techniker Michael Stepney überschatten das Rennen von Silverstone.

Silverstone. Terrorangst und Spionageermittlungen werfen ihre Schatten voraus, doch Lewis Hamilton lässt sich die Vorfreude auf seinen ersten Formel-1-Auftritt in der Heimat nicht verderben. "Der Britische Grand Prix wird für mich zweifellos das wichtigste Rennen des Jahres. Ich erwarte eine großartige Kulisse und kann es kaum erwarten, vor meinen Fans zu fahren", sagte der alles überstrahlende WM-Spitzenreiter vor dem Lauf in Silverstone, wo der Hype um das 22 Jahre alte "PS-Wunderkind" seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen dürfte. "In England sind alle trocken wie ein Schwamm, nachdem sie jahrelang keinen Formel-1-Star mehr hatten", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Seit Wochen ist der 9. von 17 WM-Läufen an diesem Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) auf dem geschichtsträchtigen 5,141 Kilometer langen Kurs in Mittelengland mit 120 000 Zuschauern ausverkauft. Schließlich kommt erstmals seit Damon Hill vor elf Jahren wieder ein Landsmann als Führender in der Gesamtwertung zum Grand Prix im selbst ernannten "Mutterland des Motorsports". "Ich hoffe, die Zuschauer haben das ganze Wochenende über ihren Spaß, unabhängig vom Ergebnis", meinte Senkrechtstarter Hamilton.

Sein Rennstall musste sich schon vor dem Rennen indes mit unangenehmen Dingen beschäftigen. Es geht um Spionage. Denn die Affäre um den mittlerweile bei Ferrari entlassenen Chefmechaniker Nigel Stepney hat auch die Silberpfeile erreicht. Während der britisch-deutsche Rennstall bestätigte, dass gegen ein ranghohes Mitglied aus seiner technischen Organisation ermittelt werde, erstattete Ferrari gegen die betreffende Person wegen "Diebstahls von Informationen" beim Gericht in Modena Anzeige. Die Person sei mittlerweile bis auf weiteres suspendiert worden, hieß es von McLaren-Mercedes, das sich ausdrücklich von der Angelegenheit distanzierte und jede Unterstützung bei der Untersuchung zusagte. Auch von Ferraris Seite gab es keine Vorwürfe Richtung McLaren- Führung.

Bei dem Beschuldigten soll es sich um McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan. Bei einer Hausdurchsuchung sollen bereits Beweise gefunden worden sein, teilte Ferrari weiter mit. Coughlan soll von Stepney auf privater Basis Ende April ein ganzes Bündel an technischen Informationen erhalten haben. Stepney und Coughlan arbeiteten 1990 bei Benetton und einige Jahre später auch bei Ferrari zusammen.

Die Affäre ist nicht ohne Brisanz, sind doch ausgerechnet die beiden bis dato dominierenden Teams darin verstrickt. Vor dem neunten von 17 Rennen führen die Silberpfeil-Piloten Hamilton (64 Punkte) und Fernando Alonso (50) die Fahrerwertung an vor den Ferrari-Fahrern Felipe Massa (47) und Kimi Raikkönen (42). Bester Deutscher ist Nick Heidfeld (30), dessen Vertragsverlängerung mit BMW-Sauber nur noch Formsache zu sein scheint, auf Rang fünf. Im Konstrukteurs-Klassement liegt McLaren-Mercedes (114) vor den Italienern (89). Dritter ist BMW-Sauber (48).

Die Scuderia will nach dem Doppelerfolg in Magny-Cours durch Räikkönen und Massa nun den Rückstand auf die zwischenzeitlich fast schon enteilten Silberpfeile weiter verringern. Frankreich-Sieger Räikkönen gibt sich allerdings zurückhaltend: "Es wäre reine Zeitverschwendung, darüber nachzudenken, wer Favorit für Silverstone ist." Bei den Testfahrten vor zwei Wochen auf der Strecke hatte Ferrari zumindest einen starken Eindruck hinterlassen.

Während sich die Piloten also für das nächste Kräftemessen rüsten, verstärken Polizei und Veranstalter die Sicherheitsvorkehrungen nach den missglückten Anschläge in London am vergangenen Wochenende und auf dem Flughafen in Glasgow. So wird die Zahl der uniformierten Beamten auf dem Streckengelände sowie auf den Parkplätzen erhöht. Zudem wird vom Streckenbetreiber weiteres Sicherheitspersonal eingesetzt.

Relativ gelassen nehmen es die Teams. "Das BMW Sauber F1 Team bereitet sich auf den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone vor wie auf jedes andere Rennen auch", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. "Was die Sicherheit angeht, gibt es einen permanenten Informationsaustausch mit den bei BMW dafür zuständigen Stellen."