Atomkraftwerk Krümmel: Untersuchung geht weiter

Brand hat Reaktor beschädigt

Ganz so unbeschadet wie Betreiber Vattenfall erklärt hatte, ist der Atomreaktor bei dem Brand am vergangenen Donnerstag doch nicht davon gekommen. Experten stellten jetzt fest: Auch das Reaktorgebäude war betroffen.

Kiel. Fast eine Woche nach dem Feuer am Atomkraftwerk Krümmel östlich von Hamburg geht die Suche nach der Ursache des Brandes weiter. Experten des Germanischen Lloyd, des TÜV-Nord und Mitarbeiter der Reaktorsicherheit hatten am Dienstag festgestellt, dass es zu weit mehr Störungen als bisher gekommen ist. Betroffen war nach einem Bericht des für die Reaktorsicherheit zuständigen Sozialministeriums in Kiel vom Dienstag auch das Reaktorgebäude.

Demnach kam es durch "unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen" und durch den "unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen" zu einem "schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter". Der Betreiber Vattenfall hatte bisher erklärt, der Atomreaktor selbst sei von dem Brand nicht betroffen gewesen. Das Ministerium stellte zugleich klar: "Trotz dieser Auffälligkeiten war die Sicherheit der Anlage gewährleistet."

Indessen hat der Bundestags-Umweltausschuss nach den umfangreichen Störungen im Atomkraftwerk Krümmel genaue Aufklärung gefordert. "Wir wollen nach der Sommerpause einen Sachstandsbericht von der Bundesregierung haben", sagte die Ausschussvorsitzende Petra Bierwirth (SPD) am Mittwoch. Der Fall sei zunächst allerdings Sache der Landesregierung von Schleswig-Holstein, die die Probleme aufarbeiten und Stellungnahmen vom Betreiber Vattenfall anfordern müsse.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellte die Glaubwürdigkeit von Vattenfall in Frage. Die Atomkraftwerke von Vattenfall in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und Krümmel müssten sofort stillgelegt werden. Die deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) sieht in zwölf Atommeilern in Deutschland ein erhöhtes Risiko für Brände im Reaktor, weil sich dort große Ölbehälter befänden.

Davon seien die Siedewasserreaktoren Krümmel, Brunsbüttel, Philippsburg 1 (Baden-Württemberg), Gundremmingen B und C, Isar 1 (Bayern) sowie die Druckwasserreaktoren Biblis B (Hessen), Unterweser (Niedersachsen), Neckarwestheim 1 (Baden-Württemberg), Grohnde (Niedersachsen), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Philippsburg 2 betroffen. Der Verband hat auch Bedenken gegen die Verlegung von PVC-Kabeln in Sicherheitsbehältern. In alten Meilern müsse mit einem erhöhten Risiko von Kurzschlüssen und Kabelbränden gerechnet werden.