Justiz: Schüler in türkischer Haft

Steinmeier kümmert sich persönlich

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Der 17 Jahre alte Schüler war wegen eines Urlaubsflirts mit einer 13-Jährigen in Antalya verhaftet worden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will sich noch am Dienstag mit dem türkischen Außenminister treffen.

Nürnberg. Das Schicksal des seit zehn Wochen im türkischen Antalya inhaftierten Marco zieht weitere Kreise. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will sich persönlich für die Freilassung des aus Uelzen stammenden 17-Jährigen einsetzen. "Dies ist ein bedauerliches Schicksal, das uns nicht kalt lässt", sagte Steinmeier am Rande einer Menschenrechtskonferenz in Nürnberg. Er wolle sich an diesem Dienstag mit dem türkischen Außenminister Abdullah Gül treffen und dabei den Fall ansprechen.

Marco wird vorgeworfen, eine 13-jährige Britin sexuell missbraucht zu haben. Die Mutter des Mädchens hatte den Realschüler angezeigt. Der Junge beteuerte, dass es sich um einen harmlosen Urlaubsflirt gehandelt habe. Zudem habe ihm das Mädchen gesagt, es sei 15 Jahre alt.

Die Bundesregierung hat die türkischen Behörden um Hafterleichterungen gebeten. Dazu gehörten häufigere Besuche der Angehörigen sowie eine bessere Versorgung des 17-Jährigen mit Medikamenten, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. In einer Verbalnote sei an die türkischen Behörden weiter appelliert worden, auf die Familie des Minderjährigen Rücksicht zu nehmen.

Der türkische Anwalt für Ausländerangelegenheiten in Antalya, Bilal Kalayci, hatte Einblick in die Anklageschrift. Demnach werde dem Jungen sexueller Missbrauch von Kindern in einem schweren Fall und eine Gewalttat vorgeworfen, teilte er mit. Die Anklage berufe sich auf die Aussage des Mädchens und Gutachter. Kalayci hatte nach eigenen Angaben Marco im Gefängnis besucht und dessen Gesundheitszustand als "ganz gut" beschrieben.

Für den Jungen sei es wichtig, dass das Mädchen in der am 6. Juli angesetzten Verhandlung persönlich aussagt. Ansonsten müsste die 13- Jährige über ein Rechtshilfeabkommen in England vernommen werden.

"Das dauert nach meinen Kenntnissen sechs Monate. Wenn das Mädchen mit seinen Eltern hierher kommt und seine Aussage macht, dann wird das Verfahren kürzer sein", betonte Kalayci.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will in einem Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan um die Freilassung von Marco bitten. "Der Vorwurf kann auch aufgeklärt werden, wenn der Jungen nicht in Haft, sondern bei seinen Eltern zu Hause ist", sagte Wulff in Hannover. Der Fall mache zudem deutlich, wie stark die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern seien. "Es sollte daraus hoffentlich kein größerer Konflikt zwischen der Türkei und Deutschland werden", sagte Wulff.

In Uelzen sind Freunde und Mitschüler des 17-Jährigen erschüttert über die Vorwürfe, die dem Jungen gemacht werden. "Wenn jemand Probleme hatte, konnte er immer zu Marco gehen, er hat das immer geklärt", sagte die 14 Jahre alte Alexandra. Seine Schulleiterin, Elke Schießer, beschreibt den Jugendlichen als sensibel, freundlich und eher etwas kindlich. "Auf keinen Fall ist er ein Aufreißer." Nach ihren Angaben hatten die Eltern des Jungen versucht, mit den Eltern des Mädchens über den Vorfall zu sprechen. Das hätten die Briten aber abgelehnt und stattdessen die türkische Polizei eingeschaltet.

Nach Angaben des Bundesjustizministeriums könnte der Schüler aus Uelzen im Falle einer Verurteilung seine Strafe nicht in Deutschland absitzen. Nach deutschem Recht seien die Vorwürfe, soweit sie bislang bekannt seien, nicht strafbar, erklärte eine Ministeriumssprecherin.

( dpa )