Panne: Daten aus den Jahren 1999 bis 2003 verschwunden

Bundeswehr vernichtete Geheimberichte

Lesedauer: 2 Minuten

Der Datensicherungs-Roboter ist Schuld: Weil er defekt war, wurden viele Dokumente über die Auslandseinsätze der Bundeswehr aus dem Archiv gelöscht. Darunter befand sich auch Beweismaterial im Fall des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz.

Grafschaft-Gelsdorf. Einem ARD-Bericht zufolge betrifft der Datenverlust im Bundeswehr-Archiv in Grafschaft-Gelsdorf Geheimberichte aus den Jahren 1999 bis 2003. Darunter fallen auch Dokumente zum Fall Kurnaz, teilte der Sender in Mainz unter Bezug auf Angaben des Verteidigungsministeriums mit. Das Magazin "Report Mainz" und "tagesschau.de" berufen sich in ihren Recherchen auf ein Schreiben des Verteidigungsstaatssekretärs Peter Wichert vom 12. Juni.

Murat Kurnaz beschuldigt zwei Soldaten der Eliteeinheit "Kommando Spezialkräfte" (KSK), sie hätten ihn im Januar 2002 im US-Gefangenenlager im afghanischen Kandahar misshandelt. Der Verteidigungsausschuss des Bundestags hat sich deshalb im vorigen Jahr in diesem Fall zu einem Untersuchungsausschuss gewandelt und für seine Aufklärungsarbeit sämtliche der Bundeswehr vorliegenden Meldungen aus dem betreffenden Zeitraum über Kandahar angefordert.

Wichert schrieb nun an den Verteidigungsausschuss: Der Datensicherungs-Roboter im Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr in Grafschaft-Gelsdorf "erlitt nach der Archivierung der Daten einen technischen Defekt und musste Ende 2004 durch ein Austauschgerät ersetzt werden. Bei dem Versuch, die gespeicherten Daten auf das Ersatzgerät zu übertragen, stellte das Fachpersonal ... fest, dass ein Teil der Bandkassetten im Datensicherungsroboter nicht mehr lesbar war." Der Versuch, die Daten wieder zugänglich zu machen, sei gescheitert.

"Entsprechend der gültigen Vorschriften im Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet." Der Datenverlust "umfasst im wesentlichen die Daten, die in den Jahren 1999 bis 2003 aus den Einsatzgebieten gewonnen wurden", heißt es in dem Brief. Nach ARD-Recherchen handelt es sich um sämtliche geheimen Berichte über die Auslandseinsätze, unter anderem des Bundesnachrichtendienstes, von den Militärattaches im Ausland sowie um Mitteilungen ausländischer Nachrichtendienste.

Bereits im Frühjahr verlautete aus dem geheim tagenden Verteidigungsausschuss, dass offensichtlich Unterlagen fehlten, die den Einsatz des KSK Anfang 2002 in Kandahar beträfen. Am 24. Mai stellte das Bundestagsgremium dann einen Beweisbeschluss, um die betreffenden Berichte vom Ministerium zu bekommen.

( dpa )