Internet: Führungswechsel bei Yahoo

Der Gründer kehrt zurück

Im Konkurrenzkampf mit Google hat der US-Internetriese Yahoo seinen legendären Gründer Jerry Yang wieder an die Spitze des Konzerns geholt. Das 38-jährige einstige Silicon-Valley-Wunderkind löst den zuletzt glücklosen Terry Semel ab.

San Francisco. Im Konkurrenzkampf mit Google hat der US-Internetriese Yahoo seinen legendären Gründer Jerry Yang wieder an die Spitze des Konzerns geholt. Das 38-jährige einstige Silicon-Valley-Wunderkind löst den zuletzt glücklosen Terry Semel auf dem Chefposten ab, wie der US-Konzern am Montag in San Francisco mitteilte. Der aus Taiwan stammende Yang hatte das Unternehmen 1994 gemeinsam mit dem Kommilitonen David Filo gegründet. Yahoo war jahrelang die führende Suchmaschine im Netz. Zuletzt musste die Firma jedoch die Marktführerschaft bei den Suchmaschinen an Google abgeben. Die Aktionäre werfen Semel vor, kein Rezept gegen Google gefunden zu haben.

Yang gilt als einer der bekanntesten Internet-Pioniere aus dem kalifornischen Silicon Valley. Mit etwa zehn Jahren war Yang mit seinen Eltern aus Taiwan in die USA gekommen. In seiner Freizeit an der Elite-Universität Stanford baute er mit Filo einen Internet-Seiten-Index auf, aus dem Yahoo wurde. Seit Mitte der 90er Jahre ist Yahoo eine der bekanntesten Marken und eine der meistgenutzten Internet-Suchmaschinen der Welt. Nach der Jahrtausendwende aber kam Google, eine weitere Silicon-Valley-Erfolgsfirma.

Die Suchmaschine des Konkurrenten basierte auf einem neuartigen Prinzip, und immer mehr Yahoo-Nutzer schwenkten um. Vor allem in den vergangenen beiden Jahren war Yahoo gegen Google und auch gegen den zweiten großen Konkurrenten Microsoft immer mehr ins Hintertreffen geraten. Im vergangenen Jahr brach der Gewinn von Yahoo ein. Inzwischen hat Google laut dem Branchendienst Comscore in den USA bei den Internet-Suchanfragen einen Marktanteil von 49,7 Prozent, Yahoo liegt mit einem Anteil von 26,8 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei. Yahoo aber liegt bei der Gesamtzahl von Besuchern aller seiner Internet-Seiten immer noch an erster Stelle vor AOL-Time Warner, Google und Microsoft an vierter Position.

Yang, der laut dem US-Magazin "Forbes" unter den 500 reichsten Menschen der Welt rangiert, war Yahoo auch nach seinem Abtritt von der Spitze weiter treu geblieben und hatte sich in verschiedenen Funktionen um die Strategie der Firma gekümmert. Nun kehrt Yang wieder auf den Chefsessel von Yahoo zurück. Es sei Zeit für ein neues Führungsteam mit "anderen Fähigkeiten und Stärken", damit das Unternehmen seine vollen Möglichkeiten entfalten könne, erklärte Semel, der sechs Jahre lang an der Spitze der Internetfirma stand. Er habe mit dem Konzern zuvor lange beraten, wie ein sanfter Übergang ermöglicht werden könne.

Semel, der einer der bestbezahlten Firmenchefs der Welt war, soll im Vorstand des Unternehmens bleiben. Schon in den vergangenen Monaten mussten mehrere führende Köpfe bei dem Unternehmen ihren Stuhl räumen. Der Konzern wurde in drei Teile - für Internet-Dienste, Online-Werbung und technische Entwicklungen - aufgeteilt. Die einstige Finanzchefin Susan Decker stieg immer weiter auf und wurde am Montag nun zur neuen Aufsichtsratschefin bestellt.