Wieder Hausarrest für NS-Verbrecher:

Priebke darf doch nicht mehr arbeiten gehen

Nach heftigen Protesten der jüdischen Gemeinde hat ein italienischer Richter die von einem anderen Gericht erteilte Arbeitserlaubnis vorläufig wieder zurückgezogen.

Rom. Richter Isacco Giorgio Giustiniani entschied am Montagabend, Erich Priebke habe es versäumt, die zuständigen Behörden über seine Arbeitszeiten und seinen genauen Weg zur Arbeit zu informieren. Ein "kompetentes Gericht" müsse nun über die weitere Vorgehensweise entscheiden, berichtete die italienische Zeitung "Il Messaggero" am Dienstag.

Der 93 Jahre alte Priebke war zuvor erstmals seit der Erteilung der Arbeitserlaubnis auf dem Rücksitz eines kleinen Mopeds in die Kanzlei seines Anwalts im Zentrum der Stadt gefahren, wo er Übersetzungen und die Katalogisierung von juristischen Dokumenten übernehmen sollte. Vor Priebkes Haus und der Kanzlei hatten rund 100 aufgebrachte Demonstranten der jüdischen Gemeinde in Rom protestiert.

Der ehemalige SS-Hauptsturmführer war 1998 von einem Militärgericht wegen der Beteiligung an einem Massaker von SS-Truppen 1944 bei Rom zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dabei waren 335 italienische Zivilisten, viele von ihnen Juden, erschossen worden. Später kam Priebke aus Gesundheitsgründen in Hausarrest. Nach dem Zweiten Weltkrieg war ihm zunächst auf mysteriöse Weise die Flucht nach Südamerika gelungen. Jahrzehntelang lebte er unerkannt als Wurstwarenhändler in Argentinien. Erst 1994 spürte ihn ein amerikanisches Fernsehteam auf.