Tour de France: Dopende Fahrer sollen zahlen

Ohne Unterschrift kein Tourstart

Drei Wochen vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt hat der Weltverband UCI im Kampf um einen sauberen Radsport die "moralische Keule" ausgepackt, um potenzielle Dopingsünder auszuschließen. Nur Fahrer, die eine Ehrenerklärung unterschreiben, sollen zur Tour zugelassen werden.

Berlin/Genf. Der Weltverband UCI will durch eine spektakuläre Selbstverpflichtung der Radprofis den Weg für eine "saubere" Tour de France ebnen. Doping-Sünder sollen finanziell "bluten". Alle etwa 600 ProTour-Fahrer sollen auf UCI-Geheiß eine Verpflichtung unterzeichnen, Doping-Vergehen zusätzlich zu den üblichen Zeitsperren mit der Zahlung eines Jahresgehalts zu sühnen. Den Profis wird bis zum Tour-Start am 7. Juli in London Zeit gegeben, die Verpflichtung, die allerdings rechtlich auf wackligen Füßen steht, zu unterschreiben. Zusätzlich sollen sich die Fahrer mit ihrer Unterschrift bereit erklären, dass die spanischen Behörden DNA-Proben mit den beim mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gelagerten Blutbeuteln vergleichen können. Sanktionen für Nicht-Unterzeichner wurden offiziell nicht festgelegt. Die UCI schob den "Schwarzen Peter" an die Teamchefs der 20 ProTour-Teams weiter, die sich im Anschluss an die UCI-Erklärung berieten.

"Ich erkläre auf meine Ehre, vor meiner Mannschaft, meinen Kollegen, der UCI, der Radsport-Familie und dem Publikum, dass ich weder in die Puerto-Affäre, noch in irgendeine andere Doping- Geschichte verwickelt bin, und dass ich keinen Verstoß gegen das Anti-Doping-Reglement der UCI begehen werde. Ich will meine Verpflichtung damit unter Beweis stellen, dass ich zusätzlich zu den Sanktionen des Reglements einen Beitrag für die Doping-Bekämpfung in Höhe meines Jahresgehaltes für 2007 leisten werde, für den Fall, dass ich das Reglement verletze", lautete die entscheidende Passage der geforderten Erklärung.

Zum Anti-Doping-Gipfel hatte die UCI neben den Chefs der 20 ProTour-Teams auch Mannschaftsärzte geladen. Etwa 15 Kamerateams verfolgten die UCI-Pressekonferenz in einem kleineren Hotel-Raum in Flughafen-Nähe. In einem anschließenden Treffen wollten die Team- Manager ausloten, wie die neuen Forderungen umzusetzen sind.

Durch positive DNA-Abgleiche waren die beiden prominentesten Klienten des Madrider Gynäkologen Fuentes, dem Hauptschuldigen in der so genannten Affäre Puerto, bereits aus dem Rennen: Jan Ullrich erklärte am 26. Februar seinen Rücktritt, nachdem die Staatsanwaltschaft Bonn einen Abgleich vorgenommen hatte. Ivan Basso wurde in der Vorwoche bis Oktober 2008 gesperrt, weil sein Blut ebenfalls mit tiefgefrorenen Proben aus Fuentes' Praxis übereinstimmte. Nach verschiedenen Angaben sollen 53 bis 58 Radprofis illegal mit Fuentes zusammengearbeitet haben. Die spanischen Justizbehörden sind im Besitz von etwa 200 Blutbeuteln zu je 0,5 Liter.