Österreich: Umstritten bis an sein Lebensende

Kurt Waldheim gestorben

Der frühere Uno-Generalsekretär und österreichische Ex-Bundespräsident Kurt Waldheim ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Waldheim, der wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit im In- und Ausland umstritten war, erlag nach Angaben seiner Familie einem Herz-Kreislauf-Versagen.

Wien. Der frühere Uno-Generalsekretär und ehemalige österreichische Präsident Kurt Waldheim ist in Österreich für seinen Einsatz für den Weltfrieden gewürdigt worden. Doch auch seine umstrittene Rolle als Wehrmachtssoldat auf dem Balkan blieb nicht unerwähnt. Waldheim starb in Wien im Alter von 88 Jahren. Der greise Ex-Politiker, dessen Wahl zum Präsidenten zu einer jahrelangen Isolation Österreichs führte, war Ende Mai wegen eines fiebrigen Infekts auf die Intensivstation eines Wiener Krankenhauses gebracht worden, durfte jedoch vor wenigen Tagen in seine Wohnung zurückkehren. Dort starb er am Donnerstagmittag im Kreise seiner Familie.

Waldheim war von 1971 bis 1981 für zwei Amtszeiten Uno-Generalsekretär. Von 1986 bis 1992 war er Österreichs Präsident. Sein Ansehen litt seit 1986 unter Enthüllungen über seine Kriegsvergangenheit. Dass er über die Rolle als Wehrmachtsoffizier geschwiegen hatte, löste heftige Kritik aus. Eine Historikerkommission kam zu dem Schluss, dass Waldheim zwar von NS-Verbrechen gewusst habe, aber persönlich nicht daran beteiligt gewesen sei.

Der Tod des Politikers löste unterschiedliche Reaktionen aus.

Waldheims Wahl zum Präsidenten habe zur Aufarbeitung der österreichischen Geschichte beigetragen, sagte Kanzler Alfred Gusenbauer. Die Debatte um Waldheim gilt als der Beginn der kritischen Auseinandersetzung Österreichs mit der NS-Vergangenheit des Landes. Zuvor hatte sich Österreich vor allem als erstes Opfer des Nationalsozialismus gesehen und die Beteiligung seiner Bürger an NS-Verbrechen ausgeklammert.

Waldheims Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs blieben weiter mit großen Fragezeichen versehen, sagte der Direktor des Simon Wiesenthal Zentrums in Jerusalem, Ephraim Zuroff. "Er war in einer Position, wo er über Holocaust-Verbrechen wusste, aber er tat nichts, um sie zu verhindern, und er diente dem NS-Regime weiter loyal", erklärte Zuroff.

Vizekanzler Wilhelm Molterer würdigte Waldheims Einsatz für die Verständigung der Völker. Er habe auch in persönlich schweren Zeiten stets Haltung bewahrt", sagte er. Die konservative Volkspartei (ÖVP) schulde ihm Dank und ein ehrendes Andenken. Der frühere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) sagte, Waldheim habe bittere persönliche Erfahrungen gemacht, die ihn in ungerechtfertigter Weise in die Nähe von Kriegsverbrechern rückten.

Österreichs Präsident Heinz Fischer ließ die Fahnen an seinem Amtssitz in der Wiener Hofburg auf Halbmast senken. Das Land habe einen Mann mit vielen Verdiensten verloren, sagte er. Die heftige Kontroverse um Waldheims Kriegsvergangenheit sehe er rückblickend in Zusammenhang damit, dass Österreich damals seine Geschichte noch nicht aufgearbeitet habe, sagte Fischer.