Fußball: Weltverband bekommt neue Struktur

Generalsekretär gibt auf

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Arne Richter

Zwei Wochen nach der Wiederwahl von Joseph Blatter hat der beim Fifa-Präsidenten offenbar in Ungnade gefallene Generalsekretär Urs Linsi seinen Rücktritt erklärt.

Hamburg. Der Schweizer kam damit wahrscheinlich einer Entlassung zuvor. Der 58-Jährige habe sich "für eine neue Herausforderung" entschieden, teilte der Fußball-Weltverband in einer kurzen Presseerklärung mit. Ganze sechs Zeilen war der Fifa der Abschied Linsis wert, dabei hatte der Top-Funktionär den Verband in seiner fünfjährigen Amtszeit finanziell saniert.

Das Fifa-Exekutivkomitee, dem auch Franz Beckenbauer angehört, soll bei seiner nächsten Sitzung am 27. Juni über die Nachfolge Linsis entscheiden. Bis dahin wird Finanz- und Controlling-Direktor Markus Kattner kommissarisch die Geschäfte führen. Die so genannte Regierung des Weltfußballs soll zudem über eine neue Struktur der Fifa-Administration bis zum Jahr 2010 befinden. Details möglicher Veränderungen wollte der Verband aber nicht verkünden.

Kurz vor dem Wahlkongress Ende Mai in Zürich war über Dissonanzen zwischen Blatter und Linsi spekuliert worden. Der in der Fifa- Exekutive und -Administration offenbar wegen seiner harten Personalpolitik nicht wohlgelittene Linsi könnte ein Bauernopfer Blatters sein, hieß es in Schweizer Medien. Demnach habe nur eine Trennung von Linsi die Wiederwahl Blatters per Akklamation ermöglicht. So konnte der Präsident in seiner Heimat einen glanzvollen Kongress-Auftritt feiern und ohne mögliche Gegenstimme seine dritte Amstzeit antreten.

Mit dem Rücktritt Linsis lässt die Fifa nicht nur den geistigen Architekten des neuen Hauptquartiers in den grünen Hügeln oberhalb Zürichs, sondern auch ihren erfolgreichen Finanzsanierer ziehen. 2002 übernahm der damalige Fifa-Finanzdirektor und frühere Bank- Manager von Credit Suisse den Generalsekretärsposten. Als Nachfolger des nach Korruptionsvorwürfen gegen Blatter mit einer internen Revolution gescheiterten Michel Zen-Ruffinen konnte Linsi die Kassen der damals mit einem Minus von 9,1 Millionen Euro angeschlagenen Fifa wieder füllen. Ende 2006 verbuchte der Weltverband ein Eigenkapital von 452 Millionen Euro.

Schönheitsfleck in der Ära Linsi ist der weiter vor Gericht anhängige Sponsorenstreit um vermeintlich doppelte Verträge mit den konkurrierenden Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa, der die Fifa laut Blatter "Geld kosten wird". Der im Zuge der Affäre im Dezember 2006 geschasste frühere Marketingdirektor Jerome Valcke gilt nun wieder als möglicher Nachfolger Linsis.

Als heißer Kandidat für den vakanten Posten wird aber bereits seit Wochen Markus Siegler gehandelt. Der bislang öffentlich vornehmlich als weltgewandter Conferencier bei Fifa-Kongressen oder der WM- Gruppenauslosung aufgefallene Mediendirektor des Weltverbandes gilt als Vertrauter Blatters. "Ich nenne mich nicht und kommuniziere diesbezüglich nichts", sagte Siegler.

( dpa )