EU-Projekt startet:

Hamburg macht Front gegen Zwangsheirat

Zwangsehen sind gesetzeswidrig und doch gibt es sie – auch in Hamburg. Jetzt will die Stadt „aktiv gegen Zwangsheirat“ vorgehen. Am Mittwoch startet das gleichnamige EU-Projekt mit einer Konferenz in Hamburg.

Hamburg. Das zweijährige, länderübergreifende Projekt solle die Aufmerksamkeit auf erzwungene und arrangierte Ehen lenken und Anregungen für die Entwicklung von präventiven Maßnahmen liefern, sagte Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU).

Ein Handlungskonzept speziell für Hamburg beschloss der CDU-Senat am Dienstag. Dazu gehören Aufklärung und Maßnahmen gegen Zwangsehen. Wie viele gegen den Willen der Betroffenen geschlossene Ehen es europaweit seien, könne bisher kaum geschätzt werden. Auch darüber solle das Projekt Auskunft geben. Allein in Hamburg habe es 2005 in speziellen Anlaufstellen 210 Beratungen fast ausschließlich für betroffene Frauen gegeben, sagte ein Behördensprecher.

"Unsere Gesellschaft, deren verfassungsmäßig garantierten Werte die Achtung der Würde des Menschen, Selbstbestimmung in der Lebensführung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern vorsehen, kann und darf Zwangsverheiratungen nicht tatenlos hinnehmen", sagte Schnieber-Jastram. Zwangsverheiratungen verstoßen nach ihren Worten nicht nur gegen die Menschenrechte, sondern auch gegen zivil- und strafrechtliche Vorschriften der Bundesrepublik.

"Dennoch finden Zwangsehen auch in Hamburg statt. Vornehmlich junge Frauen, in seltenen Fällen auch junge Männer, werden gegen ihren Willen und häufig unter Androhung von Gewalt in eine Ehe gezwungen", erläuterte die CDU-Politikerin. Für den Senat stelle sich deshalb die Aufgabe, erzwungene Hochzeiten durch Prävention und Intervention zu verhindern, den Betroffenen konkrete Hilfen anzubieten.

Nach der Auftakt-Konferenz in Hamburg sollen weitere so genannte Daphne-Konferenzen sollen in London, Den Haag, Wien, Istanbul und Stockholm folgen. Die Abschlussveranstaltung soll im Dezember 2008 wieder in Hamburg stattfinden, sagte Schnieber-Jastram (CDU).

( dpa, abendblatt.de )