Energie: Ende der staatlichen Preisaufsicht

Strompreise steigen drastisch an

Vom 1. Juli an fällt die Kontrolle der Stromkonzerne durch die Landeswirtschaftsministerien weg. Das Ergebnis: Preiserhöhungen bis zu 34 Prozent. Gerade jetzt lohnt es für den Verbraucher, Preise zu vergleichen.

Heidelberg. Verbraucher sollten die neue Welle von Strompreiserhöhungen nicht widerstandslos hinnehmen: Experten raten betroffenen Kunden, einen Wechsel des Stromversorgers ins Auge zu fassen. "Es ist mittlerweile leichter, den Stromanbieter zu wechseln als sein Bankkonto", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Roger Kohlmann. Ähnlich äußerte sich der Bundesverband der Energieverbraucher.

Der Hintergrund: Am 1.Juli läuft die staatliche Preisaufsicht für die Grundversorgungstarife aus. Die Stromkonzerne müssen sich dann ihre Erhöhungen nicht mehr von den Landeswirtschaftsministerien genehmigen lassen. Nach einer am Wochenende von "Euro am Sonntag" veröffentlichten Marktübersicht des Verbraucherportals Verivox wollen dann mindestens 67 Stromanbieter ihre Grundversorgungstarife deutlich erhöhen. Durchschnittlich steigen die Preise der Untersuchung zufolge um 8 Prozent, in einem Fall sogar um mehr als 34 Prozent. Bis zum Juli werde sich die Zahl der Preiserhöhungen vermutlich sogar auf mehr als 100 erhöhen, prognostizierten die Marktbeobachter.

Die Stromkonzerne selbst begründen die Preiserhöhungen mit den gestiegenen Beschaffungskosten, höheren Netzentgelten für die Durchleitung von Strom und Mehrbelastungen durch die zunehmende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Deutliche Preisanhebungen angekündigt haben unter anderem der zum RWE-Konzern gehörende größte ostdeutsche Stromversorger enviaM und die Stadtwerke Düsseldorf. Auch die Vattenfall-Kunden in Hamburg und Berlin müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Am höchsten fiel die Preisanhebung laut Verivox bei den Stadtwerke Weißenfels in Sachsen-Anhalt aus. Der Preisaufschlag: 34,2 Prozent.

Bei Verbraucherschützern, Wettbewerbshütern und Politikern sorgte das Vorgehen der Stromkonzerne für Aufregung. Das Bundeskartellamt betonte, dass es nach der geplanten Verschärfung des Kartellrechts im Strombereich voraussichtlich schon bald mehr Möglichkeiten haben werde, gegen Preismissbrauch vorzugehen.

Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium kündigte an, es werde den Markt genau beobachten und mit kartellrechtlichen Mitteln gegen überzogene Preisforderungen vorgehen. Die Düsseldorfer Wirtschaftsministerin Christa Thoben hatte im Bundesrat vergeblich dafür geworben, die Freigabe der Strompreise wegen des mangelnden Wettbewerbs zu stoppen. Mit Preisübersichten und einem Stromtarifrechner will das Ministerium im Internet den Verbrauchern Wechselmöglichkeiten aufzeigen.

Auch der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, appellierte an die Kunden einen Wechsel des Anbieters zu prüfen. "Damit ist keine Gefahr verbunden, und man kann damit Geld sparen", sagte er. Die Kunden müssten endlich von ihrer Marktmacht Gebrauch machen.

Tatsächlich bieten oft alternative Anbieter den Strom deutlich billiger an, als die alteingesessenen Energieversorger vor Ort. Außerdem bieten Stadtwerke und Regionalversorger oft neben ihren Standardtarifen noch günstigere Angebote, die aber kaum öffentlich beworben werden. Hier kann der Kunde häufig sogar ohne einen Wechsel des Versorgers, durch einfaches Nachfragen Geld sparen.

Tarifrechner, wie z.B. der Stromtarifrechner von verivox , sind daher eine gute Entscheidungshilfe.