Merkel warnt vor westlicher Überheblichkeit im Umgang mit Afrika

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor westlicher Überheblichkeit im Umgang mit afrikanischen Ländern gewarnt und weltweit soziale Mindeststandards gefordert.

Köln. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor westlicher Überheblichkeit im Umgang mit afrikanischen Ländern gewarnt und weltweit soziale Mindeststandards gefordert. "Wir können unmöglich Afrika mit unserer europäischen Erfahrung etwas aufdrängen", sagte sie am Samstag bei einer Podiumsdiskussion auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln. "Globalisierung kann nur gelingen, wenn es soziale Mindeststandards gibt und Mindeststandards bei der Umwelt, und die müssen wir durchsetzen", sagte die Kanzlerin einen Tag nach dem G8-Gipfel von Heiligendamm.

Bei der Diskussion mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus betonte Merkel, dass der G8-Gipfel nur "einer von ganz vielen Schritten" auf dem Weg zu einer gerechteren Weltwirtschaft gewesen sei. "Wichtig ist doch: Kann ich aus vollem Herzen sagen, wir sind nach diesem Gipfel einen Schritt weiter, als wir es vorher waren? Das kann ich mit einem klaren "ja" beantworten."

Merkel sprach sich dafür aus, das System der Mikrokredite für Kleinunternehmer - wie Yunus es in Bangladesch praktiziert - auch in Afrika zu etablieren. Umgesetzt werden könne dies aber nur mit Hilfe der dortigen Bevölkerung. Merkel ergänzte: "Die ärmsten Länder werden nur eine Chance mit ihren Produkten haben, wenn sie faire Handelsbedingungen bekommen."

Yunus warb für einen zweistufigen Ansatz bei der Entwicklungsarbeit. Einerseits müsse die Bundesregierung ihre Hilfe fortsetzen, andererseits sei auch das finanzielle Engagement der Privatwirtschaft gefordert. Zudem böte es sich an, Hilfsprojekte zunächst auf einzelne arme Länder zu konzentrieren.

Merkel hatte mit ihrem Auftritt beim Kirchentag Besuchermassen angezogen. Der Veranstaltungsort auf dem Kölner Messegelände war überfüllt, auch vor den Eingängen zu der Halle drängten sich hunderte Menschen. Die Podiumsdiskussion geriet kurzzeitig ins Stocken, als etwa ein Dutzend Besucher per Megafon ein Lied anstimmten. Die Störer wurden vom Publikum ausgebuht und von Ordnern aus dem Saal geleitet.