Nach Krawallen in Rostock

Veranstalter der G-8-Demo verurteilen Gewaltausbruch

Keine Schuldzuweisung an die Polizei - Polizeiführer spricht von bisher nicht gekannter Brutalität

Rostock. Die Veranstalter der von schweren Krawallen überschatteten G-8-Proteste in Rostock haben den Gewaltausbruch mehrerer tausend Autonomer scharf kritisiert. "Es gibt keine Rechtfertigung für diese Angriffe", erklärte Pedram Shahyar vom Attac-Koordinierungskreis am späten Abend. Erste Aussagen, die Polizei habe die Eskalation provoziert, wurden zurückgenommen: "Es gibt keine Schuldzuweisungen an die Polizei", sagte Karsten Smid aus dem Organisationskomitee der Nachrichtenagentur AP.

Bei den schweren Ausschreitungen am Rande des ansonsten friedlichen Demonstrationszugs mit zehntausenden Teilnehmern wurden nach vorläufigen Angaben 146 Polizeibeamte verletzt, 25 davon schwer. Auch zahlreiche Demonstranten wurden verletzt. Bis zum späten Abend gab es 59 Ingewahrsamnahmen. Die Veranstalter hatten am Nachmittag in Durchsagen von der Bühne zunächst davon gesprochen, die Polizei habe mit einem auf dem Demogelände geparkten Einsatzfahrzeug provoziert. "Wir versuchen herauszufinden, was den Gewaltausbruch ausgelöst hat", sagte Smid später.

Attac betonte, es gebe keine Rechtfertigung für die Angriffe auf die Polizei. Zuvor sei die Demonstration aber friedlich verlaufen und die Absprachen zwischen den Organisatoren und der Polizei hätten funktioniert. Anlass für die Eskalation nach dem Ende der Demonstration sei nach derzeitigem Erkenntnisstand der Angriff einer kleinen Gruppe Demonstranten auf einen am Kundgebungsplatz geparkten Polizeiwagen gewesen. Danach sei die Situation eskaliert. "An der Eskalation waren beide Seiten beteiligt." Am Abend habe sich die Lage nach Gesprächen zwischen Polizei und Demo-Leitung beruhigt.

Die Polizei betonte, man habe während des Demonstrationszuges auf Deeskalation gesetzt. Beide Aufzüge hätten sich "ohne unmittelbare Polizeibegleitung" über die angemeldeten Marschwege bewegt. Dann sei es zu ersten Steinwürfen aus dem so genannten Schwarzen Block der Autonomen gekommen, im Stadthafen sei die Lage eskaliert. Militante Autonome hätten massiv Polizeibeamte in ihrem Dienstfahrzeug angegriffen. Das Fahrzeug sei schwer beschädigt worden, die Beamten hätten sich zwar dem Angriff entziehen können, seien aber erheblich verletzt worden. Polizeiführer Knut Abramowski zeigte sich tief erschüttert über die Angriffe "in bisher nicht gekannter Brutalität", die letztlich nur mit Wasserwerfern hätten beendet werden können.

Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, und der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling kritisierte die Ausschreitungen scharf. "Diese von vornherein auf Konfrontation ausgerichteten Chaoten konterkarieren das berechtigte Ansinnen der friedlichen Demonstranten", sagte Caffier. Er dankte den Polizeibeamten für ihren Einsatz. Methling erklärte, er "bedauere zutiefst, dass die übergroße Mehrheit der friedlichen Demonstranten durch die massive Gewalt der Autonomen missbraucht wurde". Kritik zu äußern sei ein Grundrecht, aber Gewalt könne nicht toleriert werden.