Libanesische Truppen setzen Offensive fort

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Die libanesischen Streitkräfte haben bei ihrer Offensive gegen die Miliz Fatah Islam im Flüchtlingslager Nahr el Bared am Samstag erstmals einen Hubschrauber eingesetzt.

Tripoli. Die libanesischen Streitkräfte haben bei ihrer Offensive gegen die Miliz Fatah Islam im Flüchtlingslager Nahr el Bared am Samstag erstmals einen Hubschrauber eingesetzt. Der Helikopter nahm Gebiete in der Nähe der Küste unter Maschinengewehrfeuer und feuerte zwei Luft-Boden-Raketen ab. Beobachter vermuteten, dass damit Kämpfern der Miliz der Fluchtweg über das Mittelmeer abgeschnitten werden sollte. Die palästinensische Miliz räumte unterdessen einige Positionen in dem Lager.

Ihr Kommandeur Abu Hureira sagte der Nachrichtenagentur AP telefonisch, man habe einen Teil im Norden des Lagers "taktisch evakuiert". Die Moral der Kämpfer sei hoch, man werde sich niemals ergeben. Abu Hureira dementierte Berichte, Fatah-Islam-Führer Schaker Jussef al Abssi sei in die Enge getrieben worden. "Es geht ihm gut und er ist in den hinteren Positionen", sagte Abu Hureira, der Stellvertreter von Abssis ist.

Nach seinen Angaben zerstörten seine Kämpfer am Morgen einen libanesischen Panzer. In den vergangenen zwei Tagen habe es in seiner Truppe zwei Verwundete gegeben. Ein Sprecher der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) sagte, bei dem andauernden Beschuss seien 17 Menschen verletzt und 400 Häuser zerstört worden. In dem Lager halten sich weiterhin tausende Flüchtlinge auf. Palästinenser versuchten, die Kämpfer der Miliz zu isolieren, indem sie Häuser verriegelten und Viertel verbarrikadierten. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen wurden am Samstag bei den Kämpfen drei Soldaten getötet und fünf verwundet.

Am Freitag wurden zwei Soldaten getötet und zehn verwundet. Die Fatah Islam habe seit Freitag Dutzende von Kämpfern verloren. Am Samstag riefen die Streitkräfte die Kämpfer auf sich zu ergeben. In dem Aufruf wurde ihnen ein gerechter Prozess zugesagt. Ferner erklärte die Armee, Kämpfer bezögen Stellung in Moscheen und bei humanitären Hilfsorganisationen und lagerten dort Waffen. Die verbliebenen Bewohner würden als menschliche Schutzschilde missbraucht. Die Streitkräfte zielten jedoch nur auf die bewaffneten Kämpfer.

Aus Sicherheitskreisen verlautete, das Lager und umliegende Gebiete sei in drei Zonen unterteilt: eine unter Kontrolle der Streitkräfte, eine von der Miliz kontrollierte und eine dritte, in der Bewohner und andere palästinensische Gruppierungen den Milizionären den Zutritt verweigerten.

Am Freitag waren Panzer in das nordlibanesische Palästinenserlager bei Tripoli eingedrungen und hatten die schwersten Gefechte seit Beginn der Kämpfe vor zwei Wochen ausgelöst. Die Lage in dem Lager war unklar. Journalisten wurden in weitem Umkreis vom Kampfgebiet fern gehalten; über den Verlauf der Offensive am Freitag gab es widersprüchliche Medienberichte. Der Einsatz schwerer Artillerie am Samstag unterstrich nach Einschätzung von Beobachtern die Entschlossenheit der Streitkräfte, die Fatah Miliz in Nahr el Bared zu zerschlagen.