Litwinenko-Affäre: Pressekonferenz

Lugowoi beschuldigt britischen Geheimdienst

Polonium, Ex-Agenten unter Giftmordverdacht: Der Mordfall Litwinenko beschäftigt weiter Öffentlichkeit und britische Behörden. Denn wer Litwinenko das tödliche Gift verabreicht hat, bleibt unklar.

Moskau. In der Giftmordaffäre Litwinenko hat der von der britischen Justiz als Mörder beschuldigte Russe Andrej Lugowoi seinerseits schwere Vorwürfe gegen Großbritannien erhoben. "Die Hauptrolle in dieser dunklen Geschichte spielen die britischen Geheimdienste mit ihren Agenten Beresowski und dem gestorbenen Litwinenko", sagte Lugowoi am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Moskau. Man habe ihn heimlich mit dem Gift Polonium 210 in Kontakt gebracht, um den Verdacht auf ihn zu lenken, sagte Lugowoi.

Die Pressekonferenz fand offiziell in den Räumen der staatsnahen Nachrichtenagentur Interfax statt. Der vom Kreml kontrollierte englischsprachige Fernsehsender Russia Today übertrug die Stellungnahme Lugowois direkt. Boris Beresowski ist ein russischer Oligarch im Londoner Exil, der als Erzfeind von Präsident Wladimir Putin gilt.

Der frühere russische Geheimdienstmitarbeiter und heutige Geschäftsmann Lugowoi behauptete ferner, der britische Auslandsgeheimdienst MI-6 habe versucht, ihn anzuwerben, um von ihm belastendes Material über Putin zu erhalten. Neben Lugowoi saß auf dem Podium auch dessen Bekannter Dmitri Kowtun. Lugowoi und Kowtun hatten gemeinsam in London Litwinenko an jenem Tag in einem Hotel getroffen, an dem Litwinenko vergiftet wurde.

Litwinenko war im November 2006 in London mit dem radioaktiven Stoff Polonium 210 ermordet worden. Sowohl bei Lugowoi als auch bei Kowtun waren Poloniumspuren entdeckt worden. In einer posthum veröffentlichten Erklärung machte Litwinenko den heutigen russischen Staats- und früheren Geheimdienstchef Putin für seinen Tod verantwortlich. Der Kreml zweifelte die Echtheit des Dokumentes an. Die britische Staatsanwaltschaft hatte Lugowoi in der Vorwoche des Mordes an Litwinenko beschuldigt. Premierminister Tony Blair forderte Russland auf, das Gesetz zu respektieren und den verdächtigten Lugowoi auszuliefern. Die russischen Behörden lehnten dies umgehend ab.