Urteil: Schüler hilflos ausgesetzt

Bewährungsstrafen für Polizisten

Die zwei Polizisten hatten den betrunkenen Lübecker Gymnasiasten in Groß Weeden (Kreis Herzogtum Lauenburg) aufgelesen. Doch statt ihn nach Hause zu bringen, ließen sie den hilflosen Teenager in Kronsforde, einem Ortsteil Lübecks, aussteigen. Dort wurde er überfahren – und starb.

Lübeck. Im Prozess um den tragischen Unfalltod des Schülers Robert S. hat das Lübecker Landgericht die zwei angeklagten Polizisten entgegen der Freispruchsforderung der Staatsanwaltschaft überraschend zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die Kammer verhängte gegen die Beamten am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung jeweils neun Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem müssen sie jeweils 1000 Euro an einen Rettungsdienst zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Polizisten den 18-Jährigen im Dezember 2002 volltrunken und hilflos auf einer Landstraße bei Lübeck ausgesetzt hatten, wo er eine Stunde später überfahren wurde.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten ihre Freispruchsforderung damit begründet, dass der Tod des 18-Jährigen auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen gewesen sei. Der Rechtsanwalt der als Nebenkläger auftretenden Eltern forderte dagegen im Plädoyer, die Angeklagten wegen des Straftatbestandes der Aussetzung mit Todesfolge zu verurteilen.

Die Polizisten hatten den 18 Jahre alten Gymnasiasten aus Lübeck in Groß Weeden (Kreis Herzogtum Lauenburg) aufgelesen, weil er dort nach einem Discothekenbesuch Anwohner belästigt hatte. Statt ihn, wie ursprünglich geplant, zu seinen Eltern nach Lübeck zu bringen, ließen sie ihn in Kronsforde, einem ländlichen Ortsteil Lübecks, aussteigen. Die Beamten hatten ausgesagt, der junge Mann habe ausdrücklich darum gebeten, weil er sich vor den Nachbarn schäme, von der Polizei nach Hause gebracht zu werden.