Nominierung:

Zoellick wird neuer Weltbankchef

US-Präsident George W. Bush hat den früheren Vize-Außen- minister und US-Handelsbeauftragten Robert Zoellick als Nachfolger für den Ende Juni ausscheidenden Weltbank- präsidenten Paul Wolfowitz vorgeschlagen. Der Jurist mit Harvard-Abschluss gehört seit Januar 2001 zum inneren Zirkel der Bush-Regierung. Der 53-Jährige muss noch vom Exekutivrat der Bank bestätigt werden.

Washington. US-Präsident George W. Bush hat den ehemaligen Vize-Außenminister und US-Handelsbeauftragten Robert Zoellick als neuen Präsidenten für die Weltbank nominiert. Zoellick, der deutsche Wurzeln hat, sei ein überzeugter Internationalist und dank seiner langen Karriere in der Diplomatie und Wirtschaft gut auf den Posten vorbereitet, sagte Bush in Washington. Zoellick fühle sich dem Auftrag der Weltbank verpflichtet, Ländern bei der Bekämpfung von Armut zu helfen. Außerdem habe er das Vertrauen und die Unterstützung von politischen Führern aus allen Teilen der Welt erworben. Zoellick gilt auch als Deutschland-Kenner. Nach dem Mauerfall hatte er sich als US-Chefunterhändler bei den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen für eine zügige Wiedervereinigung eingesetzt.

Der 53-Jährige tritt die Nachfolge von Paul Wolfowitz an, der vor knapp zwei Wochen im Zuge einer Günstlingsaffäre seinen Rücktritt zum 30. Juni angekündigt hatte. Zoellick muss im Verlauf des Juni noch vom 24-köpfigen Exekutivrat der Bank bestätigt werden. Die fünfjährige Amtszeit beginnt am 1. Juli. Der als intellektuell brillant und pragmatisch beschriebene Diplomat gehört zum inneren Zirkel der Bush-Regierung.

Zoellick rief die 10 000 Mitarbeiter der Bank und die Geberländer dazu auf, die Spannungen, Frustrationen und Ängste der vergangenen Monate hinter sich zu lassen und sich stattdessen auf die Zukunft der Weltbank zu konzentrieren. Ohne seinen Vorgänger Wolfowitz namentlich zu nennen, versprach Zoellick eine gute Zusammenarbeit mit dem Exekutivrat und den Mitarbeitern.

Zoellick hat unter allen drei republikanischen Präsidenten seit Ex-Präsident Ronald Reagan gearbeitet. Der Jurist mit Harvard-Abschluss gehört seit Amtsantritt des amtierenden Präsidenten George W. Bush im Januar 2001 zum inneren Zirkel der Regierung. Als US- Handelsbeauftragter war er Geburtshelfer der Doha-Runde über eine weitere Liberalisierung des Welthandels. Er führte ebenfalls Verhandlungen zur Aufnahme Chinas und Taiwans in die Welthandelsorganisation WTO.

Im Januar 2005 wurde Zoellick von Bush als Vize-Außenminister nominiert. Als Diplomat verhandelte er mit Peking, um Spannungen über Handels- und Sicherheitsfragen beizulegen. Im sudanischen Bürgerkrieg half er als rechte Hand von Außenministerin Condoleezza Rice, ein Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung und den Rebellen auszuhandeln. Zoellick trat dann am 7. Juli vergangenen Jahres von seinem Amt zurück und wechselte als Vizedirektor zur Investmentbank Goldman Sachs.

Zoellick hatte sich schon vor zwei Jahren gute Chancen auf den Direktorenposten bei der Weltbank ausgerechnet. Aber damals bevorzugte Bush den damaligen Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz. Zoellick gilt als harter Verhandler, der aber auch den Konsens sucht und Brücken baut. Ihm werden nicht nur intellektuelle Brillanz und Pragmatismus, sondern manchmal auch brüskes Verhalten nachgesagt.