Planetarium: Jährlich 350 000 Gäste

"Ein Kreuzfahrtschiff für den Kopf"

Hamburgs Sternentheater ist das meistbesuchte Planetarium im deutschsprachigen Raum. Und das nicht ohne Grund. Ein vielfältiger Spielplan und der Mut zu spektakulären Shows begeistern die Besucher. Am Donnerstag feiert das Multimedia-Projekt "Trip - Remix Your Experience" Premiere.

Hamburg. Gerade noch leuchtet der Sternenhimmel unter der Planetariums-Kuppel in voller Pracht, da steigt plötzlich Nebel auf, bunte Laserstrahlen schießen durch die Zuschauerreihen, Blitze zucken im Takt der Musik. Mal sind es die Lieder von Rolf Zuckowski, zu denen Phänomene des Weltalls auf diese Weise lebendig werden, mal die Songs von Pink Floyd. Eine weitere spektakuläre Show feiert am Donnerstag (31. Mai) mit Frank Ottos Multimedia-Projekt "Trip - Remix Your Experience" Premiere. Im Hamburger Planetarium sind die Zeiten der für Laien drögen Vorträge mit tristen Schaubildern längst vorbei, das Haus hat sich zu einem wahren Sternentheater gemausert - und damit eine Vorreiterrolle in Deutschland eingenommen.

"Unsere Besucherzahlen haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht, mit 350 000 Gästen jährlich sind wir inzwischen das meistbesuchte Planetarium im deutschsprachigen Raum", berichtet Direktor Thomas Kraupe. Und dies bei einer zwar idyllischen, aber für Touristen versteckten Lage im Stadtpark. Dass dennoch Schulklassen wie Studenten, Erwachsene mit oder ohne Kindern in den alten Wasserturm strömen, liegt längst nicht nur an der erneuerten, hochmodernen Technik. Das Haus biete den "vielfältigsten Spielplan" unter den etwa 100 Planetarien in Deutschland - "ein Kreuzfahrtschiff für den Kopf", betont Kraupe, wohl wissend, dass nicht alle Kollegen dem wegen mangelnder Gelder nacheifern können.

Oder es auch gar nicht wollen. "Am Anfang haben schon einige die Nase gerümpft und behauptet, es wäre zu viel Show und zu wenig Wissenschaft", erzählt der Direktor, der das Haus seit sechs Jahren leitet. "Noch immer werden die meisten Planetarien leider so betrieben, dass sie lediglich Hobby-Astronomen anlocken. Doch die kommen so oder so", meint Kraupe. Viel wichtiger sei es, die Menschen zu erreichen, die sich bislang noch nicht für die Sternenkunde interessiert hätten. "Wir müssen es schaffen, die Planetarien aus ihrem Nischendasein rauszuholen", betont der Wissenschaftler und unterstreicht: "Das Planetarium sollte ein inspirierendes Wissenschaftstheater für jedermann sein. Ich hoffe, dass sich noch mehr Einrichtungen diesem Gedanken öffnen." Es gehe um mehr als nur Fakten, sondern auch um das sinnliche Gespür für die Zusammenhänge.

Ihre Sicht haben die Hamburger Planetariums-Mitarbeiter dabei längst nicht mehr nur gen Himmel gerichtet. "Der Blick zu den Sternen von der Erde ist genau so wichtig wie der Blick zurück. Die Entdeckung der Erde ist erst recht möglich, wenn ich sie verlasse", sagt der Astrophysiker. "Es ist wie bei jeder Reise: Ich muss weg sein, um zu merken, was ich an meinem Zuhause habe." Wenn sich die Besucher in den Sesseln des Planetariums zurücklehnen, könne sie nicht nur zu den Sternen fliegen, sondern auch einen Regentropen auf seiner Reise begleiten, in Unterwasserwelten abtauchen oder den Regenwald besuchen. "Der Kosmos ist so reichhaltig, dass wir ihn in verschiedenen Kapiteln erzählen wollen", erläutert Kraupe.

In Hamburg, wo das Sternentheater bei der Kulturbehörde angesiedelt ist, sieht man das Planetarium als Gelegenheit, den Dialog zwischen Kunst, Kultur und Wissenschaft zu fördern. So widmete sich die Kunsthalle der Hansestadt dem Schwarzen Quadrat Malewitschs, während Kraupe über die Schwärze des Alls philosophierte. Das Museum zeigte Caspar David Friedrich, den Planetariums-Chef interessierten die Farben des Himmels in der Romantik. "Natürlich hat jedes Planetarium seinen eigenen Himmel, und diese Verschiedenfarbigkeit ist auch wichtig", betont Kraupe. "Doch ebenso notwendig ist es, Grenzen zu überschreiten. Es steckt viel mehr Potenzial in den Häusern, als bislang genutzt wird."