Doping im Radsport: Nach Geständnis

Zabel darf weiterfahren

Von ihm hatten es wohl die wenigsten erwartet. Nach seinem erschütternden Doping-Geständnis stand die Karriere von Rad-Star Erik Zabel vor dem Aus.

Berlin/Bremen. Tränen lügen nicht und hatten zumindest für dieses Jahr keine arbeitsrechtlichen Folgen für Erik Zabel: Nach seinem emotionalen Doping-Geständnis darf der 36-Jährige für sein Team Milram auf Bewährung weiterfahren und wird schon am (morgigen) Mittwoch zum Auftakt der Bayern-Rundfahrt in Garmisch-Partenkirchen wieder am Start stehen. Der nach Siegen gerechnet erfolgreichste noch aktive Radprofi der Welt werde seinen Kontrakt zunächst für 2007 erfüllen, "ob er seinen Drei-Jahres- Vertrag komplett bis Ende 2008 erfüllen kann, wird Ende des Jahres entschieden", hieß es am Dienstag in einer Milram-Presse-Erklärung. "Der Vorfall wird trotzdem noch zu Sanktionen für Zabel führen, die wir in den nächsten Wochen mitteilen werden", erklärte Martin Mischel, der Marketing-Vorstand des norddeutschen Sponsors Nordmilch, der für sein Profi-Radsport- Abenteuer seit 2006 jährlich mindestens zehn Millionen Euro investiert.

Ein vierköpfiger Krisenstab, bestehend aus Teamleitung und Sponsoring-Spitze, hatte in Bremen die Entscheidung pro Zabel in stundenlangen Sitzungen über das Pfingst-Wochenende gefällt. Das Grüne Licht für Zabel wird auch für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) Auswirkungen haben. Der BDR befindet demnächst über die WM- Tauglichkeit des Topsprinters und Vize-Weltmeisters für die Titelkämpfe am 30. September in Stuttgart. Zabels nächster Leistungs- TÜV bei der Bayern-Rundfahrt wird mit Spannung erwartet. "Wir freuen uns auf ihn", sagte Rundfahrt-Chef Ewald Strohmeier.

"Es war mir wichtig, meine Vergangenheit offen zu legen. Ich bin dankbar, dass die Verantwortlichen meine Offenheit begrüßen und entschieden haben, dass ich weiterhin für das Team Milram fahren darf. Im Team haben wir seit dem letzten Jahr mit unseren jungen Fahrern sehr viel Leidenschaft für den sauberen Radsport aufgebaut", ließ Zabel verlauten. Auf die Frage, für wen er quasi in Doping- Fragen die Hand ins Feuer legen könnte, hatte Zabel nach seiner Doping-Beichte am Donnerstag in Bonn erklärt: "Für unsere jungen Fahrer im Team". Milram-Chef Gianluigi Stanga, bisher nicht gerade als strammer Anti-Doping-Aktivist berüchtigt, ließ keinen Zweifel, fest zum Ethik-Code der ProTour-Mannschaften zu stehen: "Wäre dieser Vorfall während seiner Zeit bei Milram geschehen, hätte kein Gespräch mehr stattgefunden."

"Zabels Offenheit muss Vorbild-Charakter im Peloton haben", sagte Team-Manager Gerry van Gerwen, der sich vor der getroffenen Entscheidung zu Gunsten Zabels mit dem Weltverbands-Präsidenten Pat McQuaid und den Verantwortlichen der Tour de France kurzgeschlossen hatte: "Sie hatten uns in unserer Entscheidung bestärkt". Grundlage für die Fortsetzung der Zusammenarbeit sei eine detaillierte Einzelfall- Prüfung gewesen sowie "der Respekt vor der außerordentlich erfolgreichen sportlichen Karriere, aber auch die Reaktionen offizieller Organisationen, Veranstalter und insbesondere der Öffentlichkeit", sagte van Gerwen.

"Doping verjährt nach acht Jahren. Aber das war für unsere Entscheidung, ob wir Erik weiter beschäftigen können, nicht das einzige Kriterium gewesen. Wir haben die Stimmung in Deutschland, in Holland, Belgien und Italien ausgelotet", so van Gerwen. "In Deutschland" hätten laut van Gerwen an den Fernseh-Geräten "am Donnerstag viele Leute geweint", als Zabel schwer bewegt gestand, 1996 für eine Woche EPO ausprobiert zu haben. Wegen körperlicher Komplikationen (Zabel: "Fieber, Unwohlsein") habe der gebürtige Berliner den Versuch eingestellt und niemals wiederholt.

Erste Signale aus dem BDR-Präsidium sind aus Zabels Sicht in Bezug auf einen WM-Start ermutigend. "Wir haben die Richtlinien, dass Doping belastete Fahrer weder für Olympische Spiele noch Weltmeisterschaften eingesetzt werden. Aber, wenn ich Zabel richtig verstanden habe, geht es um zugegebenes Doping im Jahr 1996", hatte BDR-Sportdirektor Burkhard Bremer erklärt. Rudolf Scharping, seit Jahren eine Art Zabel-Intimus, bemühte die Heilige Schrift: "Ich sag' mal so: Im Himmel - so steht es in der Bibel - ist mehr Freude über einen reuigen Sünder als über tausend Gerechte. Die tausend Gerechten auf der Erde sollten jetzt nicht versuchen, die reuigen Sünder pauschal an die Wand zu nageln."