Irak: Sicherheitslage bleibt katastrophal

Drei Deutsche entführt

Zum vierten Mal sind Deutsche im Irak einer Entführung zum Opfer gefallen: Die drei Mitarbeiter eines deutschen IT-Unternehmens wurden auf dem Weg zum Finanzministerium verschleppt. Auch die vier britischen Leibwächter der Deutschen sollen entführt worden sein.

Bagdad/Berlin/London. Zum vierten Mal sind Deutsche im Irak einer Entführung zum Opfer gefallen: Drei Mitarbeiter eines deutschen IT-Unternehmens wurden am Dienstag in Bagdad verschleppt, wie ein irakischer Regierungsbeamter und ein Polizist mitteilten. Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es zunächst nur, die Berichte würden geprüft. Die Botschaft in Bagdad und alle relevanten Stellen seien eingeschaltet und um rasche Aufklärung bemüht. Die Männer seien für das irakische Finanzministerium tätig gewesen. Sie seien auf dem Weg zum Ministerium in der Palästina-Straße im Zentrum der irakischen Hauptstadt verschleppt worden. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA wurden auch vier britische Leibwächter der Deutschen entführt.

Die Täter seien in einem Konvoi von weißen Geländewagen vor dem Finanzministerium eingetroffen, wie sie häufig von der Polizei benutzt würden, sagte der irakische Regierungsbeamte. Sie hätten die Uniform einer Kommandoeinheit der Polizei getragen. Bereits am 6. Februar wurden die 61-jährige Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan in Bagdad verschleppt. Die Kidnapper hatten mit ihrer Ermordung gedroht, falls die Bundeswehr nicht innerhalb einer inzwischen verstrichenen Frist aus Afghanistan abgezogen wird. Am 14. März hatte auch Bundespräsident Horst Köhler in einer Videobotschaft an die Geiselnehmer appelliert, ihre beiden Opfer freizulassen. Das Schicksal der beiden ist ungeklärt.

Ende 2005 und Anfang 2006 wurden erst die Archäologin Susanne Osthoff, dann die beiden Ingenieure Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke aus Sachsen im Irak als Geiseln genommen. Die Kidnapper der Ingenieure verlangten von der Bundesregierung, die deutsche Botschaft in Bagdad zu schließen, alle deutschen Unternehmen aus dem Irak abzuziehen und ihre Unterstützung der irakischen Regierung zu beenden. Alle drei Geiseln kamen unversehrt frei - Osthoff nach mehr als drei Wochen, Bräunlich und Nitzschke nach 99 Tagen.