Filmfestival von Cannes

Goldene Palme geht nach Rumänien - Drehbuchpreis für Fatih Akin

Die Goldene Palme des Festivals von Cannes geht zum ersten Mal nach Rumänien. Der 39 Jahre alte Filmemacher Cristian Mungiu erhielt den Hauptpreis der 60. Filmfestspiele am Sonntagabend für sein Abtreibungsdrama „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“.

Der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin wurde als Autor des besten Drehbuchs ausgezeichnet. Der Rumäne Mungiu hatte in einem insgesamt starken Wettbewerb schon sehr früh zum Kreis der Favoriten gehört.

Der 33 Jahre alte Hamburger Akin wurde für seine Migranten- Geschichte "Auf der anderen Seite" auch von der Ökumenischen Jury gewürdigt. Erfolgreich war außerdem der deutsche Nachwuchsregisseur Jan Bonny (28) mit seinem Debütfilm "Gegenüber". Für das grausam- realistische Ehedrama erhielt er einen Preis in der Regie-Nebenreihe.

Der Große Preis der Jury ging an die japanische Regisseurin Naomi Kawase für "Mogari no mori" (Der Trauerwald). Die iranische Comic- Zeichnerin Marjane Satrapi ("Persepolis") und der Mexikaner Carlos Reygadas ("Stellet Licht") teilen sich den Preis der Jury. Die Auszeichnung als bester Regisseur nahm der New Yorker Künstler Julian Schnabel ("Le scaphandre et le papillon") in Empfang.

Die Koreanerin Jeon Do-yeon, die als Mutter in "Secret Sunshine" nicht über den Tod ihres Sohne hinweg kommt, und der schweigsame Russe Konstantin Lawronenko aus "Izgnanie" wurden als beste Darsteller geehrt. Einen Spezialpreis zum 60. Geburtstag des Festivals gab es für den Amerikaner Gus Van Sant, der in diesem Jahr mit "Paranoid Park" im Wettbewerb war.

Hollywoodstar Jane Fonda (69), die auch als Werbebotschafterin für den Festivalsponsor L'Oreal in Cannes unterwegs war, bekam eine "Sonderpalme" für ihr Lebenswerk und durfte zudem die Goldene Palme an Mungiu vergeben. Der strahlte: "Für mich ist das wie ein Märchen." Vor sechs Monaten hätten sie noch nicht gewusst, wie sie das Geld für den Film zusammenbringen könnten. "Ich hoffe, dass diese Goldene Palme eine gute Nachricht für die kleinen Filmemacher in kleinen Ländern ist", sagte Mungiu. "Denn es scheint so, dass man endlich keine großen Budgets mehr braucht und keine großen Stars für eine Geschichte, der alle Welt Gehör schenkt."

Der Siegerfilm ruft Erinnerungen an den extrem wahrhaftigen und fein beobachtenden Stil der Brüder Dardenne wach, die in Cannes schon zwei Goldene Palmen gewonnen haben. Mungiu erzählt eine Geschichte aus seiner Heimat gegen Ende des Kommunismus. Eine Studentin ist ungewollt schwanger, Abtreibung aber streng verboten. Die junge Frau und ihre beste Freundin suchen in einem schäbigen Hotelzimmer die Hilfe eines illegalen "Engelmachers". Mungiu beschränkt sich auf diesen einen Tag der Abtreibung, verfolgt vor allem die Bemühungen der Freundin und erzeugt eine Atmosphäre von Stress und Verzweiflung.

Schon bei der Eröffnungszeremonie führte die in Frankreich lebende deutsche Schauspielerin Diane Krüger durch die Abschlussgala. Doch Krüger trat völlig in den Hintergrund, als ein anderer deutsch- französischer Filmstar gewürdigt wurde: Alain Delon rief das Publikum im Festivalpalais dazu auf, seine frühere Freundin Romy Schneider zu ehren, die vor genau 25 Jahren am 29. Mai 1982 in Paris starb. Doch nicht mit einer Schweigeminute: Für die "wunderbare Romy" gab es 25 Sekunden lang Applaus, eine Sekunde für jedes Jahr ohne sie.