Handball-Bundesliga

Fotofinish um Titel: THW will Triple, HSV hofft auf Nordhorn

Im spannendsten Titelrennen seit sieben Jahren entscheidet vermutlich das Zielfoto über den Gewinn der deutschen Handball-Meisterschaft: Titelverteidiger THW Kiel auf der Zielgeraden, daneben der HSV Hamburg.

Beide punktgleich, aber Kiel hat das um 96 Treffer bessere Torverhältnis in der Hinterhand. Doch nach der 36:41-Pleite des THW bei der SG Flensburg-Handewitt wittert der Nachbar aus Hamburg (33:28 gegen TBV Lemgo) Morgenluft. Warum, so fragen die Hamburger, soll der THW nicht auch beim Saison-Kehraus am Samstag gegen die HSG Nordhorn ins Straucheln geraten?

Der personell gebeutelte Meister klammert sich derweil an eine historische Aufgabe: den Gewinn des Triples. "Ich bin weiter optimistisch, keine Frage", sagte Manager Uwe Schwenker, dessen Mannschaft mit einem Sieg über Nordhorn den dritten Titel in dieser Saison nach Champions League und DHB-Pokal einheimsen kann. Der HSV bestreitet seine letzte Partie beim Tabellen-Zehnten Frisch Auf Göppingen. Auch dort steht ein Sieg nicht automatisch fest.

HSV-Präsident Andreas Rudolph beziffert die Titel-Chancen seines Teams auf lediglich 30:70. Aber ihn erfüllt eine stille Hoffnung: "Vielleicht hat Kiel ja in Flensburg einen kleinen Knacks gekriegt." Auch die Spieler geraten ins Träumen. "Wir hoffen, dass Nordhorn einen Sahnetag erwischt", sagte Rückraumschütze Pascal Hens geradezu beschwörend. "Für die Nordhorner geht es immerhin um die Champions- League-Qualifikation. Die werden sich voll reinhängen." Das befürchtet auch der THW. "Das wird wieder ein heißes Spiel geben", warnte Kiels Trainer Zvonimir Serdarusic, dem die Niederlage beim Nordrivalen Flensburg schwer im Magen lag. Linksaußen Henrik Lundsröm beruhigte den knorrigen Coch: "Wir haben nochmal die Chance, und diesmal nutzen wir sie. Es wird sicher ein schweres Spiel, aber zu Hause gewinnen wir."

Dass der Druck für den THW gewachsen ist, streiten die Kieler Verantwortlichen ab. "Ich spüre keinen Druck, die Mannschaft spürt keinen Druck", meinte Manager Uwe Schwenker, der das Saisonziel mit dem Gewinn der Champions League bereits erreicht sieht. "Wir wollen diesen Titel haben, aber die Mannschaft hat auch so Großartiges geleistet." Ansonsten mental stark, überraschten die Kieler, als sie in Flensburg durch Konzentrationsmängel nach der ersten Führung (22:21/35.) den möglichen Sieg vergaben. "Wir hatten hundertprozentige Chancen, die Führung auszubauen. Das haben wir nicht geschafft", klagte Serdarusic. In der Schlussphase fehlten dann die Kräfte und der Wille, um der heißblütigen SG noch einmal Paroli zu bieten.

Für HSV-Geschäftsführer Piet Krebs war die diesjährige Saison eine "zum Malen". Im vergangenen Jahr noch Zehnter, diesmal Europacupsieger der Pokalsieger und Meisterjäger Nummer eins. "Eine grandiose Saison - und jetzt dieses Finale. Wir haben die Parallele zum Fußball, als auch zwei Teams Meister werden konnten. Eine Woche lang werden wir in den Medien stehen. Das tut der Liga gut", schwärmte Krebs.