Proteste an Pfingsten:

Polizei rüstet sich für Asem-Gipfel

Zu dem am Montag beginnenden EU-Asien-Treffen rechnen die Behörden mit bis zu 10 000 Demonstraten. 2500 Polizisten sollen die Lage kontrollieren.

Hamburg. Farbbeutel und Steine fliegen gegen Häuser von Managern und Politikern in Hamburg, das Auto des BILD- Chefredakteurs Kai Diekmann geht in Flammen auf. Die Lage in der Hansestadt ist angespannt, in dieser aufgeheizten Stimmung treffen sich vom Pfingstmontag an 46 Außenminister aus Asien und der EU in der Stadt. Der Hamburger Polizei stehen arbeitsreiche Tage bevor.

Bis zu 10 000 Menschen wollen gegen das asiatisch-europäische Gipfeltreffen ASEM demonstrieren. Im Internet wird Hamburg als Auftakt zum "Summer of Resistance" (Sommer des Widerstands) bezeichnet. Die Demonstranten sehen die Anti-ASEM-Demonstration offenbar als große "Generalprobe" für den Protest gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm.

Nach dem Aufruf zu "kämpferischem Protest" wird befürchtet, dass die Stadt kurz vor dem G8-Gipfel zu einem Brennpunkt von Krawallen wird. Bis zu 2500 Beamte sind im Einsatz. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht von einer "Hochbelastungs-Arie". Mit 450 Delegierten aus knapp 50 Staaten und rund 500 Journalisten ist die achte ASEM-Konferenz laut Bundesregierung "das größte Ereignis der deutschen EU-Präsidentschaft in diesem Jahr."

Nach den jüngsten Attacken musste der Objektschutz in der ganzen Stadt verstärkt werden. Besonders die Hotels, wo die Delegationen nächtigen und der Tagungsort in der Innenstadt gelten als neuralgische Punkte.

Seit Wochen laufen auch auf der Gegenseite die Vorbereitungen auf Hochtouren. Noch am Samstag wird es in Hamburg ein Trainingslager für Straßenblockaden geben. Durch die Razzien in der linken Szene am 9. Mai hat sich viel Wut aufgestaut. "Die Durchsuchungen waren ein Schlag ins Wasser, es gibt eine Solidarisierungswelle bis ins bürgerliche Lager", meint Rechtsanwalt Andreas Beuth, der einen Verdächtigen vertritt.

Deshalb rechnen die Organisatoren der zentralen Demo gegen das ASEM-Treffen am Pfingstmontag mit bis zu 10 000 Teilnehmern. Das alternative Kulturzentrum "Rote Flora" wird zur Anlaufstelle der Gipfel-Gegner werden. "Repression zurückschlagen - G8 und ASEM versenken", lautet die Parole auf der Veranda. Auf einem anderen Plakat ist ein Galgen mit acht Schlaufen in den Flaggen-Farben der G8-Länder zu sehen. Nach dem ASEM-Treffen soll die Protestkarawane weiter Richtung Heiligendamm ziehen.

Innensenator Udo Nagel (parteilos) hat ein hartes Vorgehen der Polizei gegen gewalttätige Demonstranten angekündigt: "Da wird eine Null-Toleranz-Strategie gefahren werden." Die Polizei hat das ganze Pfingstwochenende über mehrere Tausend Beamte im Einsatz, Verstärkung kommt aus Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Thüringen. G8-Verhältnisse werden hier aber noch nicht erreicht. Insgesamt sollen 16 000 Polizisten das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) in der ersten Juni-Woche schützen.

Der ASEM-Gipfel ist nicht die einzige Herausforderung für die hanseatische Polizei in den nächsten Tagen. Am Freitag (25. Mai) trifft zunächst der FC St. Pauli auf Dynamo Dresden. Beide Fanlager stehen sich feindlich gegenüber. 2000 Dresdner Fans werden erwartet, die Polizei sorgt sich um einige als gewalttätig geltende Hooligans. Am Sonnabend (26. Mai) wird es zudem eine Demonstration gegen die G8-Bildungspolitik geben.

"Wir haben in den nächsten Tagen alles auf den Beinen", sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. Innerhalb der Hamburger Polizei rumort es nun: "Von der WM schieben wir noch 800 000 Überstunden vor uns her, mit den anstehenden Dauereinsätzen kommen wir nahe an die Millionen-Grenze heran", sagt der Hamburger GdP-Vorsitzende Andre Bunkowsky.