Nord- und Südkorea: 50 Jahre nach Zerstörung der Bahnlinie

Erste Züge rollen über koreanische Demarkationslinie

Erstmals seit dem Korea-Krieg haben zwei Züge die schwer gesicherte innerkoreanische Grenze überquert.

Das südkoreanische Fernsehen zeigte am Donnerstag live, wie der im südkoreanischen Munsan gestartete Zug am Mittag die Demarkationslinie passierte. Ein vom nordkoreanischen Bahnhof Mount Kumgang losgefahrener Zug überquerte wenig später ebenfalls die Grenze. Während die nordkoreanische Führung in Pjöngjang zu dem Ereignis einheitlich gekleidete winkende Schüler aufmarschieren ließ, zündeten Wiedervereinigungsbefürworter im Süden Feuerwerkskörper und schwenkten Flaggen. Eine kleine Gruppe protestierte gegen den symbolischen Akt.

"Dies wird ein Wendepunkt sein, um das Erbe des Kalten Krieges zu überwinden, die Mauer der Teilung einzureißen sowie ein neues Zeitalter des Friedens und der Wiedervereinigung einzuläuten", sagte Südkoreas Wiedervereinigungsminister Lee Jae Joung. Kritiker - vor allem Angehörige von Menschen, die vom Norden verschleppt wurden - werfen der südkoreanischen Regierung vor, ihr Anliegen in dem "sonnigen" Versöhnungsprozess zu missachten. Der Regierung in Seoul zufolge wurden 485 Südkoreaner seit dem Korea-Krieg von 1950 bis 1953 vom Nachbarland entführt. Offiziell befinden sich der kommunistisch regierte Norden und der kapitalistische Süden noch im Kriegszustand; es wurde nie ein Friedensabkommen geschlossen.

Die Einigung über eine probeweise Wiederaufnahme der Bahnverbindung zwischen beiden Ländern war in der vergangenen Woche bei mehrtägigen Militärgesprächen erzielt worden. Die freigegebene Strecke ist rund zwanzig Kilometer lang. Eine regelmäßige längere Verbindung lehnt Pjöngjang weiterhin ab. Die beiden Staaten hatten die Militärgespräche wiederaufgenommen, nachdem sie zuvor ein Jahr lang unterbrochen waren. Im Mai 2006 waren die Verhandlungen an Meinungsverschiedenheiten über den Verlauf der Grenze vor der Küste der beiden koreanischen Staaten gescheitert.

Das Verhältnis der beiden Länder war zuletzt angespannt, nachdem die kommunistische Regierung in Nordkorea vergangenes Jahr mehrere Raketen und Atomsprengköpfe getestet hatte. Südkorea hielt darauf seine Lebensmittel- und Düngerlieferungen an; die nordkoreanische Führung wiederum legte die Zusammenführung von Familien auf Eis. Nachdem Pjöngjangs zu Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit war, entspannte sich die Lage wieder leicht.