Unglück: 80 Meter-Frachter drohte zu sinken

Kollision auf Elbe-Seitenkanal

Zwei Frachtschiffe sind am Dienstagabend auf dem Elbe-Seitenkanal bei Osloß im Kreis Gifhorn zusammengestoßen. Verletzt wurde niemand. Nach ersten Ermittlungen war die mit einem Sand-Kies-Gemisch beladene „Schwaben“ auf dem etwa 55 Meter breiten Kanal in die Gegenfahrrinne geraten. Bereits in der Nacht entstand an der Unfallstelle Stau.

Osloß. "Ob die Ursache menschliches Versagen oder ein technischer Fehler ist, können wir noch nicht sagen", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Mittwoch. Auch die Schadenshöhe war noch nicht bekannt. Die Bergung des schwer beschädigten Schiffes, in dessen Bug ein Loch gerissen worden war, sollte bis Donnerstag andauern. Der zweite Havarist, der mit Kohle für Salzgitter beladene Frachter "Vera", wurde nur leicht beschädigt.

Rund 40 Feuerwehrleute, Wasserschutzpolizisten und Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Uelzen bewahrten die 80 Meter lange "Schwaben" in der Nacht zum Mittwoch vor dem Untergang. Die Rettungskräfte pumpten bei Flutlicht über Stunden Wasser von Bord. In den frühen Morgenstunden kam ein Schiff zu Hilfe, um den Frachter seitlich zu stützen. Ein zweites Schiff machte später auch an der anderen Seite fest. Bereits in der Nacht begannen die Rettungskräfte zudem einen Teil des Sandes aus dem Laderaum zu baggern. Gegen Morgen war die Gefahr des Untergangs gebannt.

Allerdings hatte sich die "Schwaben" quer gelegt und den Kanal blockiert. "Einen großen Stau gibt es aber nicht", sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtamtes Uelzen, Martin Köther. Nur die "Vera" sowie drei weitere Binnenschiffe müssten die Bergung abwarten. Alle anderen hätte die Nachricht der Sperrung rechtzeitig erreicht, so dass sie auf die Elbe ausweichen oder ihre Fahrten umdisponieren konnten, sagte Köther. Mittags kam ein leeres Schiff aus Braunschweig, das den größten Teil der Ladung der "Schwaben" aufnehmen sollte. "Wenn die Umladung ohne Probleme verläuft, können wir den Kanal vielleicht schon in der Nacht wieder freigeben", hoffte Köther.

Der Elbe-Seitenkanal wird täglich von 30 bis 50 Schiffen befahren. Die gut 115 Kilometer lange Wasserstraße ist eine wichtige Verbindung des Hamburger Hafens mit dem Hinterland. Der Kanal verbindet die Elbe südlich von Hamburg mit dem Mittellandkanal nahe Wolfsburg.

Erst am 18. April waren zwei Schiffe sieben Kilometer von der jetzigen Unfallstelle entfernt kollidiert. Ein Kapitän hatte den Wind falsch eingeschätzt. Auch bei diesem Unfall wurde niemand verletzt. Der Kanal musste damals nur einige Stunden gesperrt werden. Wenige Tage später hatte ein andere Kapitän versäumt, seinen Steuerstand einzufahren und stieß mit dem Stand gegen eine Brücke. Der Elbe- Seitenkanal gelte jedoch trotz dieser Unfälle als sichere Wasserstraße, betonte Köther.