Tragisches Unglück:

Rettungsboot sinkt bei Übung im Emdener Hafen

Der Unfall fordert zwei Tote – die Besatzung eines Frachtschiffes wollte eine Notfallübung durchführen.

Emden. Zwei Seeleute sind am Mittwoch bei einer Übung im Emdener Hafen mit einem Rettungsboot gesunken und ertrunken. Ein dritter Seemann, der auch mit an Bord war, schwebte am Donnerstagmittag noch in Lebensgefahr, wie die Wasserschutzpolizei Emden (Niedersachsen) mitteilte. Die beiden 46 und 48 Jahre alten ertrunkenen Männer stammten aus der Ukraine und aus Russland. Die Tragödie ereignete sich bei einer Routine-Übung. Die Besatzung des Frachtschiffs "MS Forest" wollte für den Notfall trainieren, ob sie das über dem Deck hängende Rettungsboot ordnungsgemäß zu Wasser lassen konnte. Die Seeberufsgenossenschaft hatte die "MS Forest" zuvor bei einer Kontrolle wegen zahlreicher Mängel stillgelegt.

Sieben Männer stiegen am Mittwochmittag von ihrem Schiff aus in das geschlossene Rettungsboot. Beim Zuwasserlassen löste sich den bisherigen Ermittlungen zufolge die hintere der beiden Verankerungen. Das Boot hing zunächst schief in einer Verankerung, prallte dann auf das Deck der "MS Forest" und kippte sogleich über Bord. Während des Falls konnten vier der sieben Besatzungsmitglieder auf das Deck springen und sich retten. Ein russischer Offizier, ein Ingenieur und ein Matrose blieben im Boot gefangen, das sieben Meter tief ins Wasser fiel und sogleich auf den Hafengrund sank.

Rund 45 Minuten später befreiten Rettungskräfte die drei aus einer Tiefe von rund 14 Metern. Sie wurden in eine Klinik gebracht, wo der Ingenieur und der Matrose starben. Nach Polizeiangaben sank das Boot vermutlich so schnell, weil die Flüchtenden die Luken offen gelassen hatten. "Sonst sind diese Boote ganz und gar dicht", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. "Und die schießen ja immer fast senkrecht ins Wasser."

Die 77 Meter lange "MS Forest", von der das Rettungsboot abstürzte, habe bereits seit eineinhalb Wochen im Emdener Hafen gelegen. Es handele sich um ein russisches Schiff unter karibischer Flagge, hieß es. Es war mit Holz beladen auf dem Weg von Papenburg in die Türkei. Kurz vor Emden konnte es jedoch wegen eines Motorschadens nicht weiterfahren und wurde in den Hafen geschleppt. Dort legte die Seeberufsgenossenschaft die "MS Forest" wegen zahlreicher Mängel still und verhängte Auflagen. Dazu gehörte unter anderem die Zwangsentsorgung von Öl, wie der Polizist erklärte. Er sagte: "Das Schiff war nicht so alt, aber machte einen ziemlich maroden Eindruck." In der Vergangenheit hätten schon drei andere Häfen der "MS Forest" ein Auslaufverbot erteilt.