Weltbank-Chef

Wolfowitz stellt Bedingungen für Rücktritt

Wolfowitz ist bereit, die Entwicklungshilfeorganisation freiwillig zu verlassen, wenn die Weltbank eine Mitverantwortung in der Affäre um die Beförderung seiner Freundin übernimmt.

Washington. Der wegen Vorwürfen der Günstlingswirtschaft unter Druck geratene Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz hat am Mittwoch laut Medienberichten über die Bedingungen seines Rücktritts verhandelt. Gemeinsam mit dem Weißen Haus habe er vorgeschlagen, die Entwicklungshilfeorganisation freiwillig zu verlassen, wenn die Weltbank eine Mitverantwortung in der Affäre um die Beförderung seiner Freundin übernehme, meldete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf hohe US-Regierungsbeamte. Diese erwarteten einen "baldigen" Rücktritt. Der Exekutivrat der Institution wollte seine Beratungen über das Schicksal von Wolfowitz am Donnerstag fortsetzen.

Dem früheren US-Vizeverteidigungsminister wird vorgeworfen, bei seinem Amtsantritt 2005 seiner ebenfalls bei der Organisation beschäftigten Freundin zu einem Posten mit weitaus mehr Gehalt verholfen zu haben. Ein Untersuchungsausschuss der Bank lastete Wolfowitz an, damit gegen ethische Regeln verstoßen und seine eigenen Interessen über die der Weltbank gestellt zu haben. Durch die dadurch ausgelöste Kontroverse seien das Ansehen und die Glaubwürdigkeit bei den Geldgebern und Kreditnehmern in Zweifel gezogen worden.

Wolfowitz hält dem entgegen, er habe den Ethikausschuss der Bank vor seinem Amtsantritt über den Interessenkonflikt informiert und auf einen informellen Rat des Gremiums hin gehandelt. Mitte April hatte Wolfowitz eingeräumt, damit einen Fehler begangen zu haben. Er hätte sich aus den Verhandlungen um die Versetzung seiner Lebensgefährtin heraushalten sollen, sagte der Weltbank-Chef. Ungeachtet dessen drängen vor allem die Europäer auf seine Ablösung.

Das Weiße Haus deutete am Mittwoch erstmals die Bereitschaft an, Wolfowitz zu ersetzen, wenn der Exekutivrat darauf verzichtet, ihn wegen der Vorwürfen zu entlassen oder ihm durch ein Misstrauensvotum zum Rücktritt zu zwingen. Der Weltbank-Präsident selbst hatte in einer Anhörung vor dem Führungsgremium der Organisation am Dienstag erneut einen Rücktritt im Zusammenhang mit den Anschuldigungen abgelehnt. Wolfowitz hatte den weltweiten Kampf gegen die Korruption zu einem seiner wichtigsten Anliegen als Weltbank-Chef erklärt.